Hauptversammlung der Commerzbank AG am 16. Mai 2007
Zunächst möchte ich dem Vorstand der Commerzbank
danken, etwas was sie von den Kritischen Aktionären nicht so gewöhnt
sind. Danken für den Beitrag, den Sie geleistet haben, das
Atomkraftwerk Belene in Bulgarien zu verhindern. Letztes Jahr hatten
Sie hier auf der HV die Zusage gegeben, dass zu diesem umstrittenen
und umweltschädlichen AKW von Seiten der Commerzbank keine finanzielle
Unterstützung kommt, da dies ihren eigenen Umweltkriterien
widerspräche.
Dies hatten andere deutsche Banken auch so gesehen und somit wird das
AKW Belene nicht mit deutschen Geld finanziert.
Das Aus für Belene ist dies noch nicht, da sich die bulgarischen
Kernkraftwerksbetreiber nun für die Finanzen über andere Geldquellen
bemühen. Der letzte Versuch ist internationale Gelder z.B. über
EURATOM zu erhalten.
Wir bitten Sie Ihren Einfluss geltend zu machen, damit Ihre Grundsätze
auch bei anderen Banken bzw. bei internationalen Gremien gelten
Vor einigen Jahren haben mich die Anleihen, die die Commerzbank und
andere Banken der Regierung von Südafrika unter Apartheidzeiten
gegeben wurden, hierher gebracht. Dieser Streitfall ist noch immer
anhängig in New York und beide – die Beklagten und die Ankläger wissen
noch immer nicht, wie er ausgehen wird.
Unabhängig von der Entscheidung des Gerichtes spreche ich Sie
moralisch für schuldig, denn die damaligen Vorstände der Commerzbank
wussten, dass gegenüber dem Unrechtsregime zu Apartheidzeiten ein
Finanzembargo bestand, das willentlich gebrochen wurde. Und Sie als
heutige Manager geben dies noch immer nicht als Fehler der damaligen
Führungsmannschaft zu.
Heute will ich andere kritische Kapitel ansprechen.
Im letzten Jahr am 17. 5. 2006 lobten Sie Herr Müller als
Vorstandsmitglied ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die dazu
beigetragen hätten, eine so gute Bilanz hervor zu bringen.
Keine 14 Tage später, am 2. 6. gaben Sie Stellenstreichungen im großen
Stil bekannt. Von 900 Stellen war die Rede in den Zeitungen.
Betriebsrat Malkhoff fürchtete, dass 1800 Beschäftigte von den
Umbauplänen betroffen sein könnten. Es sage mir keiner, dass Ihnen
dies nicht schon am 17.5. bekannt war. Fürchteten Sie hier auf der HV
kritische Stellungnahmen, weil Sie dies hier verschwiegen haben?
Einige Jahre sah es so aus, als ob sich Manager für
Stellenstreichungen nur Lob einhandeln würden. Vielleicht ist
inzwischen aber auch allen Aktionären bekannt, welch zweischneidiges
Schwert dies ist. Kurzfristig mögen sich reduzierte Kosten für
Arbeitnehmer in der Bilanz positiv auswirken. Langfristig wird eine
Bank mit MitarbeiterInnen, die um ihren Arbeitsplatz fürchten, unruhig
sind, sich alles abverlangen, um nicht zu den Entlassenen zu gehören,
eher Ausfälle und damit Bilanznachteile verzeichnen.
Meine Fragen dazu: Wie hoch war die Stellenstreichung im letzten Jahr,
wie viele der MitarbeiterInnen war mittelbar davon betroffen, wie
viele Streichungen planen Sie in nächster Zeit und vor allem, wie
begründen Sie
diese?
Einem anderen kritischen Komplex gehen wir in diesem Jahr in allen von
uns besuchten HVs nach, der Fragen nach Lobbyisten. So auch hier bei
der Commerzbank.
Wie hoch waren die Parteispenden Ihres Unternehmens
an die im Bundestag, in den Landtagen, Kreistagen und
Kommunalparlamenten vertretenen Parteien in den Jahren 2004 bis 2006?
(Differenzierung nach Parteien, Gremien und Jahren)
Wie hoch waren die Parteispenden Ihres Unternehmens
zur Unterstützung des Wahlkampfes von Direktkandidatinnen und
Direktkandidaten zur Bundestagswahl 2005 und zu weiteren Wahlen
(Landtagen, Kreistagen, Kommunalparlamenten und
Oberbürgermeisterwahlen) in den Jahren 2004 bis 2006? (Differenzierung
nach Parteien, Personen, Gremien und Jahren)
Warum erhalten Empfängerinnen und Empfänger
(Parteien und Direktkandidatinnen und -kandidaten) solcher Spenden
unterschiedliche Beträge?
Gibt es Parteien und Direktkandidatinnen und –kandidaten,
die keine Spenden erhalten? Wenn ja, wer nicht und warum nicht?
Warum gewährt Ihr Unternehmen die genannten
Zuwendungen?
Was kann Ihr Unternehmen mit solchen Spenden
tatsächlich erreichen?
Wurden oder werden Lobbyisten Ihres Unternehmens
seit 1998 an Ministerien der Länder und des Bundes oder an andere
Behörden zeitweise oder auf Dauer ausgeliehen? An welche Ministerien
und Behörden? Für welche Zeiträume?
Von wem wurden Ihre Mitarbeiter während Ihrer
Lobbyarbeit bezahlt? Vom Ministerium, von Ihrem Unternehmen, von einem
Verband?
Was war dort die Aufgabe der Leihbeamten?
Was kann Ihr Unternehmen mit solchen Lobbyisten
tatsächlich erreichen bzw. was wurde damit erreicht?
Unterstützt Ihr Unternehmen finanziell und/oder
personell Lobbyorganisationen, die direkt oder indirekt für Interessen
Ihres Unternehmens eintreten? Ist Ihr Unternehmen Mitglied in oder
Unterstützer einer der folgenden Initiativen: Initiative Neue Soziale
Marktwirtschaft (INSM), Du bist Deutschland, Konvent für Deutschland?
Ja, sie hätten das AKW
Belene abgelehnt, weil es nicht annähernd den Kriterien entsprochen
hätte, die sie an ein AKW anlegen würden. Der Einfluss auf
internationale Gremien sei aber limitiert, wird nicht leicht sein.
Die Vorwürfe wegen
Südafrika weist er mit Entschiedenheit und Seriosität zurück. Es waren
unpolitische Geschäfte, die mit Hermesbürgschaften gedeckt waren. Sie
wären den Südafrikanern zugute gekommen, z.B. das Sasolprojekt, das
SOWETO mit Strom versorgt hätte. Schämt sich nicht ihres Engagement
wegen. Sie hätten die Lizenz Nr. 001, als sie 1996 eine Filiale in
Johannesburg aufgemacht hätten.
Stellenabbau fand
statt, war notwendig. Sie gehen aber davon aus, dass dank guter
Konjunkturlage in Zukunft wieder leicht steigend sein kann.
auf die
Querschnittsfragen: Nein, sie hätten keine Leihbeamte in Ministerien.
Falls es mal zu einer Anfrage wegen Mitarbeitern für Ministerien käme,
würden sie dies sorgfältig prüfen. Sie unterstützen keine der
genannten Initiativen. Mit der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft
hätte es in der Vergangenheit gemeinsame Veranstaltungen gegeben.
Auf die Frage nach
Spenden für Parteien, gab Herr Müller erst mal nur die Parteien an,
auf meine Nachfrage gab er zu, keine genaue Antwort heute geben zu
können, er würde dies aber schriftlich nachreichen.