Hauptversammlung der Deutsche Bank AG am 24. Mai 2007
Zunächst möchte ich mich bedanken, bedanken für
eine Spende, die einen kleinen Umweg genommen hat. Die
Zukunftsstiftung Entwicklungshilfe erhielt von Herrn Ackermann €
10.000. Sie fördert mit diesem Geld den Aufbau eines Kollegs für
organischen Landbau in Kenia. Diese Summe werden Sie als Aktionäre
nicht so in der Bilanz der Deutschen Bank finden, sie nahm den
genannten kleinen Umweg.
Herr Ackermann und seine Mitangeklagten hatte eine Geldauflage von 5,8
Mill. zu entrichten für deren Mitwirkung bei der Abfindung für
Mannesmann Manager nach der Übernahme von Vodafone.
Von dieser Summe gingen 60% an die Staatskasse und 40% an 363
gemeinnützige Organisationen. Davon wurde auch die Zukunftsstiftung
Entwicklungshilfe ausgewählt.
Danke Herr Ackermann, auch wenn dies ein gutes Werk durch schlechte
Taten war.
Wenn ich als Kritische Aktionärin hier spreche, tue ich dies im
Bewusstsein, die Bilanz der Deutschen Bank nicht nur nach Rendite,
Gewinnausschüttung zu betrachten, sondern zu sehen, wie werden diese
Werte erschaffen, durch welche „Produkte“, mit welcher Politik kommen
diese Gewinne zustande.
Wir sehen also nicht nur kritische Praktiken, auf die ich noch komme,
wir sind auch sehr aufmerksam für gute Entscheidungen.
Und davon gibt es ein paar, die mir gefallen haben im letzten Jahr.
Die Deutsche Bank hat sich wie andere deutsche Kredithäuser auch,
entschieden das bulgarische Atomkraftwerk Belene nicht zu finanzieren.
Gut so, Urgewald und wir haben uns eingesetzt, dass dieser fragwürdige
und umweltschädliche Reaktor keine deutsche Unterstützung fand.
Das Aus für Belene ist dies noch nicht, da sich die bulgarischen
Kernkraftwerksbetreiber nun für die Finanzen über andere Geldquellen
bemühen. Der letzte Versuch ist internationale Gelder z.B. über
EURATOM zu erhalten.
Wir bitten Sie Ihren Einfluss geltend zu machen, damit Ihre Grundsätze
auch bei anderen Banken bzw. bei internationalen Gremien gelten.
Ihr Bemühen Kredite bereitzustellen, um Gebäude in zahlreichen Städten
der Welt energieeffizienter zu machen, findet auch meinen
ausgesprochenen Beifall. Zusammen mit anderen Instituten wollen Sie 5
Mrd. für dieses gewaltige Projekt bereitstellen. Dieses Projekt geht
auf Expräsident Clinton zurück, wird aber auch durch den Londoner
Bürgermeister Livingstone befürwortet. Er weist darauf hin, dass etwa
40% der weltweiten Energie in Häuser gesteckt werden, die wiederum für
ein Drittel der Treibhausgase verantwortlich sind. Da macht dieses
Projekt Sinn und ich beglückwünsche Sie zu diesem Schritt.
Sie werden dies zu den Ausgaben für „Gesellschaftliche Verantwortung“
rechnen, wie dies das Vorstandsmitglied von Heydebreck am 15. Mai
bekannt gab. Mikrokredite im Wert von 600 Mio. US $ jährlich, das ist
eine stattliche Summe, wurden aber erst 2005 eingeführt. Sie
unterstützen aber auch Ausgaben für Bildung und Wissenschaft,
Katastrophenhilfe, immerhin 58,2 Mio.l € geben Sie dafür aus.
Warum Herr Ackermann bleiben Sie bei ihrer Geschäftspolitik nicht auch
bei den Grundsätzen gesellschaftlicher Verantwortung? Warum diese
krude Mischung aus sozial- und umweltverträglichen Entscheidungen und
krassen Gegenbeispielen? Damit komme ich zu kritischen Punkten aus dem
letzten und vergangener Jahre.
Zum Beispiel Ihre Beteiligung an der EADS:
-
Warum beteiligt sich die Deutsche Bank indirekt
über DaimlerChrysler und direkt über ein Konsortium an der EADS, die
nicht nur den Airbus, sondern auch Trägerraketen für Atomwaffen und
Raketenwerfer für grausame Streumunition produziert?
Neben dem friedenspolitischen Thema gibt es andere
aus dem Umweltbereich.
Dazu liefert Ihre Beteiligung am Staudammprojekt Ilisu in der Türkei
ein negatives Beispiel. "Der Ilisu-Staudamm ist von Grund auf ein
so zerstörerisches Projekt, dass es nicht mit irgendwelchen Auflagen
verbessert werden kann. Daher muss es gestoppt werden", so der
Sprecher der örtlichen Bürgerinitiative zur Rettung von Hasankeyf,
Ercan Ayboga.
Regine Richter von der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Urgewald
kommentiert: "Mit dieser Entscheidung nehmen die Bundesregierung,
die dazu Hermesbürgschaften bereitstellt, wie die Deutsche Bank
irreversible Schäden für die Biodiversität und die Zerstörung von
Lebensraum vieler Vögel wissentlich in Kauf. Bisher liegt keine
vollständige Umweltverträglichkeitsprüfung für das Projekt vor. Ein
derartiges Verfahren wäre bei keinem europäischen Projekt denkbar."
Es stehen in der Türkei außerdem noch Gerichtsentscheidungen zu dem
Staudammprojekt an.
Zwei Fragen, die für uns dazu interessant wären:
-
Ist die Deutsche Bank angesprochen worden, um sich
an der Finanzierung von Ilisu zu beteiligen? Direkt oder über die
Finanzierung von deutschen Exporteuren, die sich an Ilisu beteiligen
wollen?
-
Welche Stellungnahme hat die Deutsche Bank dazu
abgegeben? Müssen wir damit rechnen, dass die Deutsche Bank sich
zukünftig an dem Projekt beteiligt?
Ein weiteres kritisches Beispiel ist das
Palmölkraftwerk im Saarland, zu dem Benjamin Böhme sprach.
Ein letztes, historisches Beispiel ist Südafrika. Dies liegt mir
besonders am Herzen, denn ich bin in der Solidaritätsarbeit seit 1976
mit dem Land verbunden. Heute unterstützen Sie dort sicher auch eine
Reihe von sinnvollen Projekten. Ich zitiere Zellah Fuphe, die Sie in
Ihrem Bericht nennen: „Die Professionalität und die fundierten
Kenntnisse der Deutschen Bank machen die Zusammenarbeit mit ihr zu
einem Vergnügen. Dies gilt besonders für den Bereich der
Black-Economic-Empowerment-Transaktion, in dem die Deutsche Bank eine
Vorreiterrolle einnimmt“.
(Unterbrechung wegen Ablauf der Redezeit.
Ich beende mit der gekürzten Fassung:)
Unabhängig von der Entscheidung des Gerichtes spreche ich Sie
moralisch für schuldig.
Herr Ackermann Ihre Geschäftspolitik ist nicht glaubwürdig, nicht wenn
man sich die Fülle der angeführten Bespiele anschaut. Ihr Anspruch ist
hoch, wie man heute im Zeit Magazin vom 24.5. lesen kann: „Der
Vorwurf, dass ich nicht ehrbar bin, würde mich mehr treffen als der
Vorwurf, nicht erfolgreich zu sein“.
Herr Ackermann wir warten auf die Einlösung dieses Anspruch.
Dorothea
Kerschgens, Vorstandsmitglied im Dachverband der Kritischen
Aktionäre,
www.kritischeaktionaere.de