Hauptversammlung der Rheinmetall AG am 08. Mai 2007
Zunächst hat mich vor Jahren der Export einer
Munitionsabfüllanlage, die illegal nach Südafrika geliefert wurde,
hierher gebracht. Dieser Streitfall ist noch immer anhängig in New
York und beide – die Beklagten und die Ankläger wissen noch immer
nicht, wie er ausgehen wird.
Unabhängig von der Entscheidung des Gerichtes spreche ich Sie
moralisch für schuldig, denn die damaligen Vorstände von Rheinmetall
wussten, dass gegenüber dem Unrechtsregime zu Apartheidzeiten ein
Rüstungsembargo bestand, das willentlich gebrochen wurde. Und Sie als
heutige Manager geben dies noch immer nicht als Fehler der damaligen
Führungsmannschaft zu.
Was aber meine heutige Kritik angeht, so sehe ich zwei Punkte:
Auf meine bisherigen kritischen Äußerungen, was Rüstungsexporte zum
Beispiel nach Israel und gleichzeitig in die Arabischen Emirate
angeht, so antworten sie meist mit einem ganz anderen Argument. Denn
sie wollten in erster Linie deutsche Soldaten vor Schaden schützen,
das müsse doch auch in meinem Sinne sein. In meinem Beruf nenne ich
das Focusverschiebung, wenn ein Argument als unangenehm gesehen wird,
antwortet man auf einem ganz anderen Gebiet.
Was Ihre Vorgänger mit Südafrika praktiziert haben, setzen Sie heute
ähnlich fort.
Sie liefern Waffen in Spannungsgebiete und beklagen sich in
Interviews, dass die Politik ihnen leider Restriktionen auferlegt.
Ein Analyst vermutet Steigerung der Aufträge auch durch den
Irankonflikt. Rheinmetall hatte auf einer Analystenkonferenz im Ende
März 2007 von sehr guten Auftragseingängen berichtet. Diese sind auch
aufgrund der Zuspitzung des Nahostkonfliktes zu verzeichnen. Sie
hatten ja schon in den vergangenen Jahren 32 der Spürpanzer Fuchs in
die Arabische Emirate verkauft und waren bei der diesjährigen
Waffenmesse IDEX in Abu Dhabi mit dem Fuchs wieder zur Stelle..
Sie geraten mit dem Ausbau Ihres Rüstungsbereiches nicht nur bei
kritischen Aktionären in die Kritik. Sie bilden ein drastisches
Beispiel für die Aussagen, die die GKKE, die Gemeinsame Konferenz
Kirche und Entwicklung, Mitte Dezember 2006 getroffen hat. Mit
deutlichen Worten wurde der Anstieg der deutschen Rüstungsexporte
kritisiert. Der Vorsitzende Stephan Reimers äußerte: „Sicherheit
ist nicht durch zu wenig Waffen gefährdet, sondern durch zu viele
Waffen an den falschen Orten“.
Laut Frankfurter Rundschau vom 19. 12. 06 bezeichnete der
Politikwissenschaftler und Projektleiter der Hessischen Stiftung für
Friedens- und Konfliktforschung Bernhard Moltmann die
Waffenlieferungen an Israel und Südafrika als „heikel“. „Sie
stünden nicht mit den deutschen Gesetzen in Einklang“.
Ein zweiter kritischer Punkt ist, dass sie sich Leute aus der Politik,
wie soll ich das am besten bezeichnen: geneigt stimmen, ausleihen oder
kaufen. Vor einigen Jahren fragte ich nach Korruption im Hause
Rheinmetall. Sie haben dies voll Empörung verneint.
Was aber ist dies, wenn Sie einen Abgeordneten, der noch dazu im
Haushaltsausschuss Berichterstatter der SPD-Fraktion für das
Verteidigungsministerium ist, im Bundestagswahlkampf 2005 mit einer
Summe von annähernd € 10.000 sponsern? Keinen anderen Abgeordneten
haben Sie mit einer vergleichbaren Summe bedacht. Zufall kann das wohl
nicht gewesen sein. Und das die Summe knapp unter der der
Berichterstattung liegenden Grenze liegt, ist wohl auch kein Zufall.
Ich nenne das Kaufen, denn Herr Kahrs vom SPD Stadtverband Mitte in
Hamburg wird ja wohl im Sinne Ihres Hauses Entscheidungen treffen und
andere ebenso beeinflussen.
Wir stellen in diesem Jahr in allen von uns besuchten HVs Fragen nach
Lobbyisten, so auch hier:
Wie hoch waren die Parteispenden Ihres Unternehmens
an die im Bundestag, in den Landtagen, Kreistagen und
Kommunalparlamenten vertretenen Parteien in den Jahren 2004 bis 2006?
(Differenzierung nach Parteien, Gremien und Jahren)
Wie hoch waren die Parteispenden Ihres Unternehmens
zur Unterstützung des Wahlkampfes von Direktkandidatinnen und
Direktkandidaten zur Bundestagswahl 2005 und zu weiteren Wahlen
(Landtagen, Kreistagen, Kommunalparlamenten und
Oberbürgermeisterwahlen) in den Jahren 2004 bis 2006? (Differenzierung
nach Parteien, Personen, Gremien und Jahren)
Warum erhalten Empfängerinnen und Empfänger
(Parteien und Direktkandidatinnen und -kandidaten) solcher Spenden
unterschiedliche Beträge?
Gibt es Parteien und Direktkandidatinnen und –kandidaten,
die keine Spenden erhalten? Wenn ja, wer nicht und warum nicht?
Warum gewährt Ihr Unternehmen die genannten
Zuwendungen?
Was kann Ihr Unternehmen mit solchen Spenden
tatsächlich erreichen?
Wurden oder werden Lobbyisten Ihres Unternehmens
seit 1998 an Ministerien der Länder und des Bundes oder an andere
Behörden zeitweise oder auf Dauer ausgeliehen? An welche Ministerien
und Behörden? Für welche Zeiträume?
Von wem wurden Ihre Mitarbeiter während Ihrer
Lobbyarbeit bezahlt? Vom Ministerium, von Ihrem Unternehmen, von einem
Verband?
Was war dort die Aufgabe der Leihbeamten?
Was kann Ihr Unternehmen mit solchen Lobbyisten
tatsächlich erreichen bzw. was wurde damit erreicht?
Unterstützt Ihr Unternehmen finanziell und/oder
personell Lobbyorganisationen, die direkt oder indirekt für Interessen
Ihres Unternehmens eintreten? Ist Ihr Unternehmen Mitglied in oder
Unterstützer einer der folgenden Initiativen: Initiative Neue Soziale
Marktwirtschaft (INSM), Du bist Deutschland, Konvent für Deutschland?
Die Exporte würden
nicht vom Vorstand entschieden, nur nach Freigabe der strengen
Regularien von Bundesbehörden. Das Außenwirtschaftsgesetz und
Kriegswaffenkontrollgesetz würden berücksichtigt.
Sie beschäftigen keine
Lobbyisten. Diese Aussage belustigte und veranlasste mich, mich wieder
zu melden. Ich sagte, diese Idee hätten wir noch gar nicht gehabt, zu
fragen, ob auch Lobbyisten bei den Firmen beschäftigt seien. Uns würde
aber interessieren, ob Lobbyisten von Rheinmetall bei den Landes- oder
Bundesministerien arbeiten würden.
Dies wurde in einer zweiten Beantwortung verneint.
Sie hätten 2006 €
523.000 ausgeben, vor allem für Wohltätigkeits- und
Sportorganisationen. € 17.000 seien an Parteien geflossen. Er könne
aber aktuell keine Namen nennen.
Ich kündigte an, dass ich schriftlich nachfragen würde und dann wären
sie sicher in der Lage, ausführlich Auskunft zu geben.
Zur Klage in den USA,
die ein laufendes Verfahren wäre, würde er sich nicht äußern.