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ThyssenKrupp AG

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Rede von Dorothea Kerschgens, Dachverband Kritische Aktionärinnen und Aktionäre und KOSA-Vorstand auf der Hauptversammlung der ThyssenKrupp AG am 18. Januar 2008.

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Antworten auf die gestellten Fragen

 

 

Hauptversammlung der ThyssenKrupp AG am 18. Januar 2008

Als Vorstandsmitglied des Dachverbandes der Kritischen AktionärInnen will ich zunächst etwas Positives bemerken.
Sie ermöglichten, dass Auszubildende Ihres Unternehmens in Nadeshda, dem Kindererholungszentrum in Weißrussland arbeiteten z. B. zur Installation eines Schalt- und Regelungenschranks. Sie ermöglichten ebenso, dass auch Jugendliche aus Weißrussland, dem Berufskolleg in Wilejka, zu Thyssen-Krupp kommen konnten. Beides halte ich für ein sinnvolles Beispiel von Völkerverständigung. Sowohl Thyssen-Krupp selbst als der Förderverein Ihres Unternehmens haben in den letzten Jahren Austauschprogramme unterstützt. Sie geben aber auch hier benachteiligten Jugendlichen eine zweite Chance und beide Aktivitäten begrüßen wir außerordentlich. Gerade auch angesichts der gegenwärtigen politischen Diskussion.

 

Nun will ich auch die kritischen Seiten Ihrer Geschäftspolitik zur Sprache bringen.

Der Transrapid Bau: Sie wollen sich nicht nur am Bau des Transrapid vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen beteiligen. Sie wollen sich auch mit 25 Mill. € am Abschiedsgeschenk für Herrn Stoiber beteiligen, damit die Finanzierungslücke für dieses Projekt geschlossen werden kann. Zugegeben Sie sind nicht das einzige Unternehmen, Siemens beteiligt sich mit der selben Summe. Ich sage Ihnen voraus, dass die Höhe des Projekts die bisher veranschlagten 1,85 Mrd. € übersteigen wird. Die Prognosen gehen bis zu 2,5 Mrd. € Gesamtkosten. Die EU soll auch noch Geld zuschießen, sieht dafür aber keine Veranlassung. Das heißt, es könnte sein, dass es nicht bei den von Ihnen zugesagten 25 Mio. € bleiben wird.

Dazu meine Fragen:

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Welche Gründe liegen für Sie vor, sich an diesem veralteten und überteuerten Transportsystem zu beteiligen?

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Können Sie definitiv ausschließen, dass sich der bisher zugesagte Zuschuss von 25 Mio. € weiter erhöhen wird?

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Werden Sie die 25 Mio.€ Zuschuss aus dem Gewinn von 49 Mio. € aus Ihrem chinesischen Transrapid Lizenzgeschäft verrechnen?

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In welchem Land sehen Sie neben dem bisherigen Schienen- und Flugnetz Bedarf für diese Technologie?

 

Nun zum Komplex Korvetten für Südafrika. Es geht um die Frage, ob Ihr Unternehmen 22 Mio. € Bestechungsgelder an Südafrika gezahlt hat, um den Auftrag für die 4 Korvetten zu erhalten. Und dies nachdem in Deutschland die Gesetzesänderung in Kraft trat, dass Bestechung im Ausland verboten ist.
Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft ermittelt noch immer in diesem Falle. Sie hat an die südafrikanische Regierung ein formelles Rechtshilfeersuchen gestellt. Weder die Regierung noch der regierende ANC haben bisher erhellende Beiträge geliefert. Aber verschiedene Parlamentarier in Südafrika und dortige Presseorgane wie Mail & Guardian, wie auch die FAZ, die Welt, das Capital – nicht das bekannte Buch des Herrn Marx - sondern das deutsche Wirtschaftsmagazin, nehmen kritisch Stellung.

Meine Fragen zu dem Komplex:

Wie kam es, dass Thabo Mbeki als damals zuständiger Mann der Unterkommission für den Erwerb das Angebot von Thyssens wieder in die engere Wahl gezogen hat? Die Rüstungsfirma Armscor hatte Thyssen schon ausgeschlossen.

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Welche Rolle haben die Lobbyisten Rolf Wegener und Tony Georgiadis gespielt, um die Regierung für einen Auftrag von Thyssen wieder zu erwärmen?

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Wie kommt es, dass bei einem Ihrer Top-Vertreter in Südafrika Christoph Hönings während einer Razzia Fotokopien von Spenden in Höhe von je 500.000 Rand für 3 Fonds und Stiftungen gefunden wurden?

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Wurden die Gelder von Geogiadis bezahlt und wurde Hönings angehalten, dies geheim zu halten?

 

Sie werden behaupten, sie können wegen des laufenden Verfahrens keine Stellungnahme abgeben. Ein beliebter Schachzug in so einem Spiel. Ich sage Ihnen heute voraus, eines Tages werden Sie sich nicht nur vor der Staatsanwaltschaft, sondern auch vor den AktionärInnen hier zu verantworten haben.

 

Atomforschungszentrum Pelindaba, Südafrika

Am 8. November stürmten 4 schwer bewaffnete Terroristen in das Atomforschungszentrum Pelindaba, dort in das Kontrollzentrum, schossen den zuständigen Manager Anton Gerber nieder, raubten einen PC und konnten fliehen. Eine zweite Gruppe von Angreifern konnten ebenfalls nach einem Schusswechsel fliehen. Dieses Überfall war der zweite im Jahr 2007, der erste fand im Juni statt, damals wurde ebenfalls ein Manager niedergeschossen.

Warum berichte ich dies hier? Ihre Tochterfirma Uhde ist in Pelindaba tätig. Dort wird die Herstellung des nuklearen Materials für den Kugelhaufenreaktor vorbereitet. Schon im letzten Jahr kritisierte ich das Engagement Ihrer Tochterfirma Uhde in Südafrika und fragte, was genau sie für Pelindaba herstellt.

Sie antworteten mir sehr lapidar, die sei ein Engineeringsauftrag, die Lieferung sei für den konventionellen Bereich.
Heute will ich mehr Einzelheiten wissen:

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Was genau liefert Uhde für Pelindaba?

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Wie reagierten Sie auf die terroristischen Überfälle?

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Welche Konsequenzen verlangen Sie von der südafrikanischen Regierung?

 

Zum Schluss würde mich interessieren:

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Stehen Sie in Geschäftsbeziehungen zum Sudan?

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Wenn ja, warum noch immer, nachdem dieser Staat wegen seiner Menschenrechtsverletzungen in Darfur weltweit angeklagt wird?

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Wenn ja, warum folgen Sie nicht dem Beispiel von Siemens, das sich zusammen mit anderen Unternehmen 2007 von Geschäftsbeziehungen zum Sudan zurückgezogen hat?

 

Dorothea Kerschgens, Vorstandsmitglied im Dachverband der Kritischen Aktionäre, www.kritischeaktionaere.de
 

 

Antworten auf die gestellten Fragen

Komplex Transrapid

bulletWelche Gründe liegen für Sie vor, sich an diesem veralteten und überteuerten Transportsystem zu beteiligen?
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Die Technik ist innovativ, mit meiner Einschätzung stimmen sie nicht überein.

bulletKönnen Sie definitiv ausschließen, dass sich der bisher zugesagte Zuschuss von 25 Mill € weiter erhöhen wird?
bulletKeine weiteren Gelder über die 25 Mill. hinaus.

 

bulletWerden Sie die 25 Mill.€ Zuschuss aus dem Gewinn von 49 Mill. € aus Ihrem chinesischen Transrapid Lizenzgeschäft verrechnen?
bulletDie Gelder haben nichts miteinander zu tun, werden nicht verrechnet.
bulletIn welchem Land sehen Sie neben dem bisherigen Schienen- und Flugnetz Bedarf für diese Technologie?
bulletShanghai wird Erweiterungen erfahren, stehen vor neuem Vertragsabschluss. China sieht auch weiteren Bedarf. Außerdem in USA, Naher und Mittlerer Osten.

 

Komplex Schmiergelder bei Export von Korvetten für Südafrika

bulletWie kam es, dass Thabo Mbeki als damals zuständiger Mann der Unterkommission für den Erwerb das Angebot von Thyssens wieder in die engere Wahl gezogen hat?
bulletDie Rüstungsfirma Armscor hatte Thyssen schon ausgeschlossen.
bulletWelche Rolle haben die Lobbyisten Rolf Wegener und Tony Georgiadis gespielt, um die Regierung für einen Auftrag von Thyssen wieder zu erwärmen?
bulletWie kommt es, dass bei einem Ihrer TOP Vertreter in Südafrika Christoph Hönings während einer Razzia Fotokopien von Spenden in Höhe von je 500.000 Rand für 3 Fonds und Stiftungen gefunden wurden?
bulletWurden die Gelder von Geogiadis bezahlt und wurde Hönings angehalten, dies geheim zu halten?
bulletEs waren wahrscheinlich Qualitätsgründe für die Bestellung, Südafrika sei sehr zufrieden. Seit 2006 ermittelt Staatsanwaltschaft, auch gegen ThyssenKrupp Mitarbeiter. Berichte aus Südafrika liegen nicht vor. Sie bemühen sich um gute Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Düsseldorf. Der Verdacht wird sich nicht bestätigen.

 

Komplex Überfall auf Pelindaba

bulletWas genau liefert Uhde für Pelindaba?
bulletLieferungen für Nebenanlagen, nicht für den nuklearen Bereich, Umfang 20. Mill. €.
bulletWie reagierten Sie auf die terroristischen Überfälle?
bulletWelche Konsequenzen verlangen Sie von der südafrikanischen Regierung?
bulletDies sind Angelegenheiten des südafrikanischen Staates.

 

Komplex Geschäftsbeziehungen zum Sudan?

bulletWenn ja, warum noch immer, nachdem dieser Staat wegen seiner Menschenrechtsverletzungen in Darfur weltweit angeklagt wird?
bulletWenn ja, warum folgen Sie nicht dem Beispiel von Siemens, das sich zusammen mit anderen Unternehmen 2007 von Geschäftsbeziehungen zum Sudan zurückgezogen hat?
bulletWir lieferten 2006/07 Zementanlagen zur Verbesserung der Infrastruktur. Keine zusätzlichen Projekte vorgesehen.

 

 
   
 

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