Der Auftritt der deutschen
Fußballnationalmannschaft bei der WM in Südafrika stand unter keinem
guten Stern. Das Problem war nicht das DFB-Team, sondern dessen
Hauptsponsor: Mercedes-Benz.
Bei Südafrikanerinnen und Südafrikanern, die ihr
Leben im Kampf gegen das rassistische Apartheidregime riskierten,
ruft das Daimler-Logo dunkle Erinnerungen wach. Im April 2009 hat
ein US-Bundesbezirksgericht in New York eine
Sammelklage wegen
Beihilfe zu schweren Menschenrechtsverletzungen während der
Apartheid gegen Daimler und vier weitere Konzerne zugelassen.
Durch seine
Geschäfte mit dem Apartheidregime beteiligte sich Daimler an der Unterdrückung des schwarzen
Befreiungskampfes und der Destabilisierung der Region. 1998 wurde
die Internationale Kampagne zur Entschädigung der Apartheidopfer
gegründet, der auch KOSA angehört. Träger der Aktivitäten in
Südafrika und Partner der Kampagne in Deutschland ist die
Menschenrechtsorganisation Khulumani Support Group. Sie fordert die
Anerkennung des begangenen Unrechts und Entschädigungszahlungen.
Mit der Aktion „Daimler - Star of Apartheid“ in
Deutschland unterstützte die Kampagne "Kick for one World" die Apartheidopfer in
der Auseinandersetzung mit dem Stuttgarter Konzern. Dabei wurde die
zunehmende Aufmerksamkeit durch die WM in Südafrika dazu genutzt,
den Druck auf Daimler zu erhöhen. Durch Pressearbeit und
Kampagnenaktivitäten soll Daimler zur Öffnung seines Archivs und
einer angemessene Entschädigung bewegt werden.
Kampagne: The Star of
Apartheid
Die Kampagne startete am 14.
April.2010 mit der Jahreshauptversammlung (HV) der Daimler AG in Berlin. Vor den Haupteingängen wurden Aktionspostkarten verteilt die
dazu aufrufen, sich mit seiner Unterschrift an der Kampagne zu beteiligen. Während der HV sprach
Apartheidopfers
und Khulumani-Kläger Mpho Masemola aus Südafrika vor 5.000
Aktionären inklusive Konzernvorstand und Aufsichtsrat. Neben der klassischen
Unterstützergewinnung mittels Postkarte und Unterschriftenlisten gab
es auch die Möglichkeit zur Online-Unterschrift auf der
Kampagnenwebiste
www.star-of-apartheid.de.
Als vor und während der WM der DFB und Mercedes-Benz unter dem Motto
„Der 4. Stern für Deutschland“ aufriefen, die Nationalmannschaft in
Südafrika durch ein entsprechend geändertes Facebook-Profilbild mit
Daimler-Stern zu unterstützen, reagierte die Kampagne mit einem
Gegenaufruf und ließen ein Unterstützungstool programmieren, mit dem
Facebook-User relativ einfach ihr bestehendes Profil-Foto mit einem
Motiv der Kampagne zusammenfügen konnten. Mehr als 600 Facebook-User
solidarisieren sich dort mit der Kampagne und teilen die Infos und
Aktionsaufrufe zu Flashmobs vor Filialen von Mercedes des
unabhängigen Unterstützer/innenkreises in ihren Facebook-Profilen.
Dazu kamen zahlreiche Einzelveranstaltungen, Tagungen und Interviews
in allen Teilen der Bundesrepublik, die mit zu einem breiten
Medienecho beitrugen. Auch auf dem ökumenischen Kirchtag in München
im Mai 2010 war die Kampagne präsent. Auf der politischen Ebene gab es ein
Fachgespräch mit dem Menschenrechtsausschuss des Bundestages
sowie einzelnen Parlamentariern, die zu
Anfragen der Opposition an
die Bundesregierung führten.
Auch organisierte KOSA ein
Seminar zur Klage der Apartheidsopfer
im September 2010 in Bonn mit anschließender Rundereise mit der
Südafrikanerin Marjorie
Jobson (Khulumani Support Group)
mit vier Arbeitstreffen mit
anderen NRO sowie sieben öffentliche Veranstaltungen in Bonn,
Berlin, Bremen und Bochum.
Im Fortgang fand die Kampagne weitere
institutionelle Unterstützung. Attac,
Bundeskoordination Internationalismus (BUKO), Gerechtigkeit heilt,
Berlin postkolonial, pax christi im Bistum Limburg, ChristInnen für
den Sozialismus sowie IG Metall-Vertrauensleute und Betriebsräte
des Daimler-Werkes in Bremen unterstützten die Forderungen.
Pressemitteilung
von Khulumani zur Weigerung des Daimler Vorstands, die
Unterschriften anzunehmen vom 16. Dezember 2010
Pressemitteilung zur
Übergabe der Unterschriften vom 14. Dezember 2010
Brief
an den Daimlervorstand anlässlich der Unterschriftenübergabe
und Antwort des Konzerns darauf
Presseerklärung der KOSA zum Kampagnenstart bei der
Daimler-Hauptversammlung in Berlin am 14. April 2010
Korrespondenz mit dem Deutschen Fußballbund (DFB)
Die Argumente von
Daimler sind inzwischen bekannt – auch beim Deutschen Fußball-Bund
(DFB). Immerhin ist Daimler einer der wichtigsten Sponsoren des DFB.
KASA, KOSA, medico international und SODI hatten im November 2009 einen
Brief an den DFB geschickt mit der Bitte um Stellungnahme zum
Engagement ihres Hauptsponsors. Im Februar 2010 erhielten wir
Antwort – einige Zeilen vom DFB, lange Ausführungen von Daimler.
Der DFB sieht keinen weiteren Handlungsbedarf. So sind wir nun auf
die Reaktion unseres
Antwortbriefes gespannt.
Gemeinsamer Brief der Kampagne des Bündnisses
kick for one world
an den Deutschen Fußball Bund (DFB) mit der Bitte um
Stellungnahme vom 24. November 2009.
Trotz großen Medieninteresse und guter Beteiligung an den Aktionen
hat sich Daimler nicht bewegt. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass
das Thema bei Daimler ernst genommen wird. Auf der Daimler
Aktionärshauptversammlung am 14. April 2010 in Berlin kündigte
Daimler an, seine Geschäftsbeziehungen zum Iran weitgehend
abzubrechen. Der Konzern trennte sich von einer 30-prozentigen
Beteiligung an einer Dieselmotorenproduktion im Land. Vielleicht
eine Reaktion auf die Erkenntnis, dass die Zusammenarbeit mit Regimen, die gegen Menschenrechte verstoßen, dem Image von
Daimler abträglich sein können.
Der Vorstand der Daimler
AG bleibt hinsichtlich der Apartheidopfer aber bei seiner Position: Mit den Lieferungen der Unimogs wurde
nicht gegen damaliges deutsches Recht verstoßen und die Eingabe von
Mercedes-Benz Südafrika vor der Wahrheits- und Versöhnungskommission
hätte keine Rückfragen ergeben. Sie sehen somit keine Gründe, warum
sie nun mit den Opfern in einen Dialog treten sollten. Sie sind sich
keiner Schuld bewusst. Natürlich erwähnt Daimler nicht, dass die
südafrikanische Wahrheits- und Versöhnungskommission der Daimler
Tochter MBSA keinen Freispruch gegeben und keine Amnestie gewährt
hat. Und genau aus diesem Grunde unterstützt Erzbischof Tutu die
US-Entschädigungsklage von Khulumani.