• Witbank Region 2012
Foto: (c) Dieter Simon (KOSA)

    Mit Kohle in die Zukunft?

  • Schulpartnerschaften

  • Entschuldung und Entschädigung im Südlichen Afrika

  • Kampagne "Kick für one world"

Südafrika, der Klimawandel und die Rolle Deutschlands

Südafrika verfügt über riesige Kohlevorkommen. Reich an Kohle zu sein, ist jedoch nicht nur ein Segen. Die Ausrichtung auf billige Kohle blockiert umweltfreundliche Technologien. Klima- und umweltfreundlichere Alternativen sind aber dringend notwendig. Neben den immensen Klimaschäden, die die Kohleverbrennung verursacht, sind auch die Ewigkeitsschäden, die der Kohleabbau verursacht, besonders für die benachbarten armen Gemeinden ein immenses Gesundheitsrisiko. Wasser und Böden sind vergiftet, Schwelbrände verpesten die Luft. Häufig haben diese Gemeinden nicht einmal einen Stromanschluss, profitieren also nicht von der Kohle, haben aber die Risiken zu tragen.

Kohle hat die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands in hohem Maße bestimmt. Doch heute überlebt die deutsche Steinkohle nur dank staatlicher Subventionen, die 2018 auslaufen. Der Import von Kohle – auch aus Südafrika – ist deutlich billiger.

Die Frage ist, welche Rolle Deutschland als Importland südafrikanischer Kohle in Zukunft spielt: Exportiert es die mit Kohle verbundenen Umweltschäden einfach in den Süden oder unterstützt es den Strukturwandel in Südafrika hin zu einer nachhaltigen Energieversorgung?

Kohle ist Südafrikas Hautenergieträger. Über 75% des südafrikanischen Energiebedarfs wird durch Kohleverfeuerung abgedeckt. Die Kohlereserven sind umfangreich und kostengünstig abbaubar. Prognosen gehen davon aus, dass Südafrika sich aus eigenen Steinkohlereserven noch über 100 Jahre lang versorgen kann.
Nur rund 13,7% der Landesfläche Südafrikas ist gut für den landwirtschaftlichen Anbau geeignet. Neben den Küstenregionen liegen diese insbesondere im Highveld. Und dort genau liegen auch die Steinkohleabbaugebiete, mitten in der Kornkammer Südafrikas. Die größten Vorkommen konzentrieren sich mit 84% im Westen der Provinz Mpumalanga. Weitere bedeutende Vorkommen finden sich im Nordwesten von KwaZuklu-Natal sowie im Nordwesten und äußerstem Nordosten der Limpopoprovinz, beide im Wassereinzugsgebiet des Limpopoflusses.
Das staatliche Unternehmen ESKOM produziert 95% der in Südafrika erzeugten Energie, von den 90% aus Kohlekraftwerken stammt.

Südafrika produziert zwar nur rund eineinhalb Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen, ist damit aber unter den 20 größten Verursachern des Klimawandels. Schon heute ist der Ausstoß von Kohlendioxid pro Einwohner in Südafrika (10,1 t) höher als in Deutschland (9,0 t), was allerdings große Unterschiede kaschiert, da einer hohen Energieintensität, etwa in der Industrie, Energiearmut in breiten Kreisen der Bevölkerung gegenüber steht.

Die Verfügbarkeit preiswerter Kohle trägt zum einen zur Abhängigkeit der Versorgung von dieser weltweit schmutzigsten Energiequelle bei. Zum anderen hat sie vor allem in der Industrie zu hohem Stromverbrauch und Verschwendung geführt. So wird in Südafrika doppelt so viel Energie für die Herstellung einer Tonne Stahl verbraucht wie in den führenden energieeffizienten Ländern.
Zudem hält die Stromversorgung mit einer steigenden Nachfrage durch Wirtschaft und privaten Verbrauch nicht Schritt. Diese „Energiekrise“ führt zu einem weiteren Ausbau des Energiesektors. Im Bau sind weitere riesige Kohlekraftwerke wie Kusile östlich von Johannesburg und Medupi in der Limpopo Provinz, die trotz moderner Technologien allein einen Anstieg der Treibhausgas-Emissionen um über 17 Prozent bringen werden. Nach Fertigstellung wären diese die dritt- und viertgrößten Kohlekraftwerke der Welt.

Leidtragende des Kohleabbaus sind vor allem die Menschen in den Bergbauregionen. In der Provinz Mpumalanga liegt Mine an Mine - alte, verlassene neben neu angelegten Minen. Die Gefahr geht vor allem von den 5.900 kleinen und großen, alten, nicht rehabilitierten Minen aus. Doch auch von den 119 derzeit operierenden Kohleminen haben nur 83 die eigentlich obligatorische Wasserlizenz. Knapp ein Drittel arbeitet also illegal. Dabei erfolgt 80% der Kohleproduktion durch fünf Großkonzerne, allen voran Anglo American, BHP-Billiton, Xstrata…

So verseuchen alte und neue Minen durch giftige Grubenwässer die Wasservorräte eines wasserarmen Landes und bedrohen die Wasserversorgung von Millionen Menschen. Dies gefährdet schon jetzt vor allem Gesundheit und Existenz der benachteiligten Bevölkerung in den Bergbauregionen. Langfristig wird die Trinkwasserverknappung und die Kontaminierung der landwirtschaftlichen Nutzfläche Südafrikas Entwicklung in Frage stellen.

Dazu kommen immense Beeinträchtigungen der Atemwege der Anwohner sowohl in den Kohleabbau- wie auch den Verfeuerungsregionen. Anfang der 1990er Jahre hatte die Luftverschmutzung in Mpumalanga ein ähnlich katastrophales Ausmaß wie in der früheren DDR, so jedenfalls ein Bericht des Umweltjournalisten James Clarke. Und das ist bis heute so geblieben, trotz verbesserter Umweltgesetzgebung.

Eine gründliche Erfassung der offensichtlichen Auswirkungen von Bergbau und Kohleverfeuerung auf die Luftqualität beginnt erst langsam. Jahrzehntelang haben Unternehmen und Behörden weggeschaut beziehungsweise sich mit den Angaben der staatlichen Großunternehmen („self-reporting“) zufrieden gegeben.

Mehrfach haben in den vergangenen Jahrzehnten Studien auf eine überdurchschnittlich hohe Anzahl von Atemwegserkrankungen und geringerem Wachstum von Kindern hingewiesen, die Folgen dieser Luftverschmutzung sind. Und es gibt Hinweise auf „Sauren Regen“ in der Region, was langfristig dazu führen kann, dass Böden und Wasser verseucht werden und Bäume sterben.

Dabei ist offensichtlich, dass Südafrika über immense Ressourcen zur Erzeugung alternativer Energien hat. Weite Teile der Karoo bieten sich für die Solarenergie an, die ebenfalls landwirtschaftlich schwach nutzbaren Küstengebiete entlang des Atlantiks für Windenergie. Dezentrale Energieerzeugung durch Solardächer und Warmwasseranlagen stellen ein zusätzliches Potential dar.

Auf den ersten Blick scheint Südafrikas Bedeutung im internationalen Steinkohlehandel nicht übermäßig groß. Von den heute technisch möglichen und wirtschaftlich rentablen Bedingungen weltweit abbaubaren Steinkohlereserven liegen nur 6% in Südafrika. Die oberflächennahe Lage der Steinkohle erlaubt jedoch einen kostengünstigen Abbau, solange man die ökologischen und gesellschaftlichen Ewigkeitsschäden außer Acht lässt.

Fast 30% der in RSA geförderten Steinkohle gingen 2015 wie auch in den Jahren davor in den Export. Und der Importbedarf gerade der aufstrebenden Volkswirtschaften dürfte weltweit trotz Pariser Klimaabkommens eher wachsen als fallen. Indien und China aber auch Japan sind bereits jetzt auf Importe angewiesen. Über die Hälfte aller weltweiten Exporte gehen dorthin, obwohl China gleichzeitig weltweit größter Kohleproduzent ist.

Und Südafrikas Kohle ist noch aus einem weiteren Grund attraktiv: Die Region gilt als politisch stabil in Zeiten, da die Hälfte aller weltweit nachgefragten Energierohstoffe aus geopolitischen Risikoregionen v.a. im Nahen Osten stammt. Die Hälfte des Primärenergiebedarfs der EU wird durch Importe gedeckt, 2030 werden es Prognosen zufolge trotz Energiewende in Deutschland 70% sein.

Südafrika hat Deutschland viele Jahre lang mit „billiger“ Steinkohle versorgt. Noch bis zum Jahr 2005 war Südafrika Deutschlands wichtigster Kohlelieferant. Doch auch heute noch kommen immerhin 14% der in unseren Kraftwerken verbrannten Importkohle aus Südafrika.

Unsere südafrikanischen Partner/innen und wir haben gemeinsam mit anderen deutschen NROs auf der KOSA Tagung "Mit Kohle in die Zukunft? - Südafrika, der Klimawandel und die Rolle Deutschlands" vom 21. bis 22. Juni 2013 in Königswinter einen Forderungskatalatog entwicklet, der nach wie vor gilt:

 

Ohne Kohle in die Zukunft!

Auf Einladung der Koordination Südliches Afrika e.V., der Nachfolgeorganisation der deutschen Anti-Apartheidbewegung, haben sich am 21. und 22. Juni 2013 erstmals umwelt- und entwicklungspolitische Organisationen der Zivilgesellschaft aus Südafrika und Deutschland getroffen und beschlossen, in Zukunft verstärkt zusammen zu arbeiten, um eine gerechte Energie- und Klimapolitik voranzutreiben.
Auf der Tagung „Mit Kohle in die Zukunft? – Südafrika, der Klimawandel und die Rolle Deutschlands“ in Königswinter wurden folgende gemeinsame Arbeitsfelder vereinbart:

  • Energiegerechtigkeit, d.h. Zugang zu Energie für alle;
  • Klimagerechtigkeit, d.h. konsequenter Ausstieg aus der Kohle in Deutschland;
  • Gender- und Generationengerechtigkeit, d.h. Ausgleich der überproportionalen Lasten, die Frauen und kommenden Generationen durch den Klimawandel aufgebürdet werden;
  • Schaffung wirksamer Instrumente zur Reduzierung der CO2-Emissionen um 80%bis zum Jahr 2030;
  • Neugestaltung des Energiesystems und verstärkte Anstrengungen für dezentraleerneuerbare Energien, d.h. eine Energiewende von unten;
  • Klimaschutz statt Wirtschaftsförderung: Schluss mit Hermesbürgschaften für Kohle und der Finanzierung von Kohle durch Weltbank, EIB, EBRD und KfW;
  • Beschränkung der Deutsch-Südafrikanischen Energiepartnerschaft auf dieFörderung dezentraler erneuerbaren Energie;
  • Einrechnung von Kohlefolgeschäden in den Kohlepreis und Schluss mit der Abschiebung der Kosten auf die Allgemeinheit;
  • Transparenz im Kohlehandel: Der Weg der Kohle von der Mine bis zumKraftwerk muss transparent sein;
  • Die Einhaltung rechtlicher, sozialer und ökologischer Standards in den Herkunftsländern muss nachgewiesen werden, solange Deutschland Kohle importiert;
  • Deutschland muss Mitverantwortung übernehmen für die Ewigkeitsschäden, die in Südafrika entstanden sind, um Deutschland mit billiger Kohle zu versorgen.

Folgende Organisationen waren vertreten:
Aus Südafrika:

  • GroundWork (Friends of the Earth South Africa)
  • Project 90 by 2030 South Africa
  • Gender CC – Women for Climate Justice South Africa
  • Diakonia Council of Churches South Africa


Aus Deutschland:

  • Aktion Bundesschluss
  • Brot für die Welt
  • BUND NRW (Friends of the Earth Germany)
  • FIAN
  • GermanWatch
  • Kirchliche Arbeitsstelle Südliches Afrika
  • Klima-Allianz Deutschland
  • Koordination Südliches Afrika e.V.
  • Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW e.V.
  • Misereor
  • MÖWe Westfalen
  • Mpumalanga-Forum
  • Powershift
  • SODI – Solidaritätsdienst International e.V.
  • Urgewald e.V.

Bereits seit 2012 engagiert sich KOSA in Kooperation mit der MÖWe zum Thema „Kohle, Klima, Energie in Südafrika“, denn KOSA geht von einer Mitverantwortung Deutschlands für die Kohleschäden in Südafrika aus.

Im Januar 2014 hat KOSA bei der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW einen Projekt-Antrag mit dem Titel „Mpumalanga: Wo unsere Kohle herkommt - und die Schäden bleiben“ eingereicht. Das Projekt wurde bewilligt und erlaubt uns damit noch bis Ende 2016 Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit zu diesem Thema leisten zu können. Danke!

Über unsere Partner vor Ort versuchen wir, Einfluss in ihrem Sinne auf die Klima- und Energiepolitik in Südafrika zu nehmen. Diese Politik schwankt zwischen den Anforderungen an Wirtschaftswachstum und Wettbewerbsfähigkeit und einem notwendigen Beitrag zum Klimaschutz. Manche Beobachter sehen aber durchaus positive Ansätze: So seien besonders die großen Unternehmen in den letzten Jahren bei Energieeffizienz und im Klimaschutz aktiver geworden. Und auch die Politik verspricht immer wieder einen größeren Beitrag zum Klimaschutz.

In Kopenhagen hat Präsident Jacob Zuma im Herbst 2009 eine Vereinbarung unterschrieben, in der das Ziel bekräftigt wurde, dass Südafrika den Zuwachs seiner Treibhausgasemissionen bis 2025 um 42 Prozent reduzieren will. Im Juni 2009 wurde eine Kohlenstoffsteuer für Unternehmen eingeführt, umgerechnet 0,2 Euro-Cent je Kilowatt-Stunde. Doch in den Pariser Verhandlungen zum Klimaschutz 2015 gehörte Südafrika wieder eher zu den Bremsern.

Auch für Teile der privaten Wirtschaft werden Ansätze zu einer ›grünen Ökonomie‹ wichtiger, um internationale Wettbewerbsnachteile zu vermeiden. Das gilt beispielsweise für den Obst- und Weinhandel und den Tourismus, die wichtige Devisenbringer sind.

Der Ausbau eines politischen Handlungsrahmens, der einen Umstieg auf erneuerbare Energien fördern würde, kommt nur langsam voran, ebenso wie die Umsetzung von Plänen und Absichtserklärungen. Hier heißt es, die Anliegen unserer südafrikanischen Partner in Deutschland bekannter zu machen und ihren Einfluss vor Ort zu stärken. Dieses erreichen wir durch Rundreisen mit südafrikanischen Experten mit öffentlichen Vorträgen und Gesprächen mit deutschen und europäischen Entscheidungsträgern.

Expertenrundreisen, Bildungsmaterial, Tagungen, Öffentlichkeitsarbeit und die Kooperation mit weiteren deutschen Akteuren, die zur Kohleproblematik arbeiten, haben es ermöglicht, dass das Thema Importkohle und das „Outsourcing“ von Umweltschäden nun mit auf der Agenda der Politik stehen.


Publikationen, Medien, Tagungsdokumentation etc.

Ausstellung "Mit Kohle in die Zukunft?"

Kohleförderung und ihre Folgen in Südafrika und Deutschland
Roll-Up-Ausstellung zum Ausleihen

Die Ausstellung zeigt auf elf leicht aufzubauenden, selbstständig stehenden Tafeln die Bedeutung und die Folgen des Kohleabbaus und -verbrennung in Südafrika und Deutschland sowie Handlungsmöglichkeiten für eine umweltfreundliche Energiepolitik. Sie eignet sich für Schulen, Kirchengemeinden, Einrichtungen der Erwachsenbildung, Rathäuser, z. B. im Rahmen von Klimaschutzwochen oder Eine-Welt-Projekten. Der Platz bedarf liegt bei 30 m2. Die vom Amt für MOWe und KOSA erstellte Ausstellung ist gegen einen Kostenbeitrag in Höhe von 50 € (Versand- und Verpackungskosten) ausleihbar.

 

 

Bücher und Broschüren

Unsere Broschüren und Schulmaterialien können Sie direkt bestellen bei kosa(at)kosa.org oder im Shop

 

 

Filme

Risiko-Export. Wo die Kohle herkommt und die Schäden bleiben.

Handy-Akku leer? Ab damit an die Steckdose. Doch was, wenn aus dieser plötzlich ein Husten tönt? Und warum eigentlich? KOSA klärt in diesem 10-Minütigen Video auf..

 

Im Schutz der Ignoranz - The bliss of ignorance
Südafrikanische Filmdokumentation zu den Folgen von Kohleabbau und -verfeuerung

 

 

Dokumentation der KOSA Tagung "Mit Kohle in die Zukunft? - Südafrika, der Klimawandel und die Rolle Deutschlands" vom 21. bis 22. Juni 2013 in Königswinter im AZK

Vorträge/ Präsentationen

Interviews

 

 

Links "Energiepoltik und Klimawandel"

Publikationen

Videos

Links

KOSA

Die Koordination Südliches Afrika (KOSA) e.V. ist ein bundesweit tätiges Netzwerk, das thematisch hauptsächlich zu Südafrika arbeitet. Derzeitiger Arbeitsschwerpunkt ist das Thema Klimawandel mit Fokus auf den Bereich Kohleförderung und -verfeuerung in Südafrika sowie Kohleimporte aus Südafrika nach Deutschland / NRW.

Publikationen

Unsere Publikationen befinden sich zur Zeit noch im alten Web.

Förderer

KOSA e.V. wird gefördert aus Mitteln des Kirchlichen Entwicklungsdienstes durch Brot für die Welt - Evangelischer Entwicklungsdienst