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Im Schatten der Weltmeisterschaft - Die Fußball-Afrikameisterschaften in Angola

2010 schaut die Welt gespannt auf die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika. Dabei stehen nicht nur sportliche Fragen im Blickpunkt. Die breite Öffentlichkeit interessiert vor allem die kritische Frage der Sicherheit. Personen mit einen anderen Hintergrund zu Afrika thematisieren dagegen die Chancen, die sich für Südafrika und für Afrika ergeben (z.B. Beiträge in afrika Süd 2/2009; 3/2009). Neben der WM scheint ein weiteres sportliches Ereignis im Südlichen Afrika in dem medialen Interesse kaum vorzukommen: Die Afrikameisterschaften (Orange Africa Cup of Nations) im Fußball, die im Januar 2010 in Angola stattfinden werden.


von Andreas Bohne

Zum ersten Mal werden die Titelkämpfe in Angola ausgetragen. Ebenso ist es Premiere, dass ein lusophoner Staat Afrikas Gastgeber ist. In der Auswahl hat sich Angola gegen Äquatorial-Guinea/Gabun, Libyen und Nigeria durchgesetzt. Während in Äquatorial-Guinea/Gabun die Meisterschaften 2012 austragen werden, ist Libyen im Jahr 2014 die gastgebende Nation. Zwischen dem 10. und 31. Januar 2010 werden insgesamt 16 Mannschaften den 27. Titel der Afrikameisterschaften ausspielen. Dazu werden am 20. November die Gruppen unter den qualifizierten bzw. gesetzten Mannschaften ausgelost. Als Titelverteidiger geht Ägypten in das Turnier.

In vier Städten werden die Spiele ausgetragen, wobei in jeder Stadt ein neues Stadion gebaut wurde: Neben der Hauptstadt Luanda mit dem Estádio Cidade Universitária sind Benguela (Complexo Nossa Senhora da Graça), Cabinda (Estádio Chimandela) und Lubango (Estádio Alto da Chela) die Austragungsorte. Das Maskottchen ist mit Palanquinha die Rappenantilope, das Nationaltier Angolas.

Hauptsponsor des Turniers ist das französische Telekommunikationsunternehmen Orange, während der Sportausrüster Puma insgesamt 11 afrikanische Teams ausstattet und die südafrikanische Standard-Bank als Finanzpartner auftritt.

Probleme im Vorfeld

Im Vorfeld der Meisterschaften zeichneten sich indes gleich mehrere Problemfelder ab. Dies führte teilweise zu den Gerüchten, dass Südafrika als Ausrichternation einspringen müsse. Ein Problem trat in der Frage der Visa für Spieler, Begleiter und Funktionäre aus den verschiedenen afrikanischen Teilnehmerstaaten auf. Zur Lösung gibt es neben dem normalen rechtlichen Weg eine vereinfachte Form, an Visa zu gelangen für Personen, die in die Organisation der Afrikameisterschaften involviert sind, sowie die Option für Staaten, die keine diplomatische Beziehungen zu Angola pflegen, direkt staatliche Strukturen anzusprechen.

Ein weiteres Problem zeichnete sich in dem verzögerten Neubau der Stadien und der Rasenansaat ab. Nach letzter Planung sollen im November 2009 aber alle Stadien stehen und die Rasen gesät sein. So gibt man sich optimistisch, dass alles bis zum Beginn der Meisterschaften geschafft sein wird. Das gleiche gilt für die neu gebauten Flughafenterminals, um die Ankunft der erwartenden Fußballfans, aber auch die Logistik zu gewährleisten. Ein zusätzlicher Punkt lag in den vorhandenen medizinischen Bedingungen, die teilweise als unzureichend angesehen wurden. Dieses Problem wurde von Seiten der angolanischen Organisatoren aber angegangen. Nach mehreren Reisen sehen auch die Funktionäre der Confederation of African Football (CAF) Angola nunmehr auf dem richtigen Weg.

Impulse für Angola

Für Angola ist die Ausrichtung ein weiterer Schritt zu einer Normalisierung nach mehreren Jahrzehnten Bürgerkrieg. Die Meisterschaft kann zu einer Verständigung zwischen einzelnen Regionen und zur Aussöhnung unter der angolanischen Bevölkerung beitragen, ebenso ein neues angolanisches Selbstverständnis begründen. Der Beitrag zu einem Nation-building-Prozess durch eine nationale Begeisterung ist höher, als nur die Teilnahme an einer Afrika- oder Weltmeisterschaft wie 2006. Die Auswahl von Cabinda, für das es seit Jahrzehnten sezessionistische Bestrebungen gibt, als ein Austragungsort drückt die territoriale Integrität Angolas aus. Die Versöhnung und der nationale Zusammenhalt durch die Meisterschaft soll nicht zuletzt der Slogan „A country united and driven by football“ („um país unido e movido pelo futebol“) ausdrücken. Auch wurden im Zuge der Vorbereitungen Investitionen in die Infrastruktur wie bspw. in den Flughafen von Lubango getätigt. Die Vergabe an Angola kann auch als ein Zeichen des Bedeutungszuwachses Angolas auf dem afrikanischen Kontinent gewertet werden.

Überdies passen die neuen Stadien auch zum Selbstverständnis der angolanischen Regierung, die mit einer neuen Architektur versucht, die ansteigende Wirtschaftskraft offensiv zu zeigen. Große Infrastrukturprojekte scheinen überhaupt derzeit ein Markenzeichen zu sein, insbesondere in Luanda. Damit einher gehen jedoch Zwangsvertreibungen von Bewohnern und Zerstörungen von Armensiedlungen, meist unter Anwendung von Gewalt.

Ähnlich wie für die Weltmeisterschaft in Südafrika steht aber auch für Angola die Frage der Kriminalität aufgrund sozialer Disparitäten im Raum. So hat das britische Außenministerium kürzlich vor individuellen Reisen zu den Afrikameisterschaften gewarnt.

Die Ticketpreise sollen nach Planungen nicht mehr als umgerechnet 10 US-Dollar kosten. Diese Preise scheinen auf den ersten Blick nicht hoch zu sein, aufgrund der hohen Armutsrate sind die Tickets aber für den Großteil der Bevölkerung unerschwinglich. Obwohl enorme Wirtschaftszuwächse in den letzten Jahren eintraten, lebt mehr als die Hälfte der Angolaner von weniger als zwei US-Dollar pro Tag.

Trotz aller Probleme kann damit gerechnet werden, dass Angola eine gut organisierte Meisterschaft bieten wird, die nicht nur die Eliten anspricht, sondern auch das Volk in seinen Bann ziehen wird. Auf spannende Spiele kann sich gefreut werden, da sich kein klarer Favorit abzeichnet.
 

Quelle: afrika süd 05.2009

 

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