Fußball hat mein Leben verändert
von Irene Lukassowitz
„Andere Mädchen in meinem Alter verbringen ihre Zeit mit Jungs, trinken Alkohol oder nehmen Drogen. Ich verbringe meine Zeit lieber auf dem Fußballfeld. Das Spiel hat mein Leben verändert!“ Die 13-jährige Zandile geht in die 7. Klasse der Mahlasedi Masana-Grundschule in Mamelodi, einem Township östlich von Pretoria. Die Schule ist eine von acht Grundschulen, mit denen die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in ihrem „Youth Development through Football“ – kurz YDF-Projekt – zusammenarbeitet. In Mamelodi hat das Jugendfußballprojekt, das vom deutschen Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert wird, vor zwei Jahren begonnen. Heute arbeitet Projektleiter Gerald Guskowski mit seinem 15-köpfigen Team in vier südafrikanischen Provinzen und in sechs weiteren afrikanischen Ländern. Bis 2012 sollen es zehn Länder sein.
Die Projektidee ist während der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Berlin entstanden: Fußball kann Grenzen überwinden und Menschen verschiedenster Nationen und Kulturen verbinden. In Südafrika kommt ein weiterer Aspekt hinzu – 2010 wird hier die erste Fußballweltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent angepfiffen. Die Begeisterung für den Sport ist überall zu spüren, vor allem unter der schwarzen Bevölkerung, in der Fußball in Südafrika seine Wurzeln hat.
Diese Begeisterung nutzt das YDF-Projekt, damit Jugendliche sich neben dem Sport auch mit anderen gesellschaftlich relevanten Themen befassen und um ihnen Fähigkeiten zu vermitteln, die ihnen helfen, ihr Leben aktiv zu gestalten. „Wir wollen, dass die Jugendlichen ihr Leben selber in die Hand nehmen, statt darauf zu warten, dass ihnen andere helfen.“Yolande van Straaten ist Chefin von „Greenfeet“, einer Nichtregierungsorganisation (NRO), die das Umweltbewusstsein der Jugendlichen fördert und die eine von drei Partnerorganisationen ist, mit denen YDF in Mamelodi eng zusammenarbeitet. Das Greenfeet-Konzept nutzt die Kreativität der Jugendlichen. Sie sammeln Müll und basteln daraus kleine Kunstwerke, die sie anschließend selber vermarkten.„Karos & Kambro“ verfolgt einen anderen Ansatz: Sie setzen Theater ein, um das Selbstbewusstsein der Jugendlichen zu stärken und ihr Führungsverhalten zu trainieren. „Ähnlich wie beim Theater muss Fußball immer wieder geprobt werden, damit die Aufführung gelingt“, erklärt Mabu Maholo, „aber Fußball ist mehr als Sport, Fußball vermittelt Werte, die auch im Leben zählen.“
Zielgruppe des YDF-Projekts sind 12-20-jährige Jugendliche, die sozial benachteiligt sind. Gemeinsam mit dem südafrikanischen Sportministerium (SRSA) will YDF bleibende Strukturen schaffen, die noch lange nach dem Abpfiff der Weltmeisterschaft tragen. Das deutsche Breitensportangebot dient dabei als Vorbild. Ergänzt wird dies durch den Bau von 100 Bolzplätzen, die im Auftrag des BMZ von der deutschen KfW-Entwicklungsbank finanziert werden.
YDF kooperiert auch noch mit anderen Partnern, die in der Jugendförderung durch Fußball tätig sind, und vernetzt diese Initiativen miteinander, um den Erfahrungsaustausch zu fördern. Erfolgreiche Ideen werden in einfachen Trainingsanleitungen landesweit verbreitet. Sie fördern Werte wie Fairness, Teamgeist und Respekt und vermitteln friedliche Möglichkeiten zur Konfliktlösung. Dies soll auch der verbreiteten Kriminalität und Gewalt vorbeugen. In den Mannschaften spielen Jungen und Mädchen gemeinsam und lernen so, gleichberechtigt miteinander umzugehen. Außerdem wird besonders über die Gefahren von HIV und Aids aufgeklärt. Gert Potgieter, Direktor der NRO „Altus Sport Vuma“, ist von dem Projekt überzeugt: „Die Ansätze sind überaus ermutigend. Wir sehen Jugendliche, die Drogen genommen und getrunken haben. In ihrem Straßenfußballteam übernehmen sie Verantwortung und entscheiden sich für ein anderes Leben.“