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Südafrika glitzert und glänzt. Ob auf Webseiten oder
in der internationalen Presse: Die Stadien leuchten golden, und die
Lichter entlang der Zufahrtsstraßen verleihen dem digitalen
Bilddatenstrom Hochglanz. So war es geplant, und so wird es
ausgeführt. Streiks, die sich gegen prekäre und teils gefährliche
Arbeitsbedingungen auf den Großbaustellen richteten, waren hingegen
nicht geplant – und sind bei einer Bildersuche kaum mehr zu
ermitteln.
Im Wetteifern um Superlative steht die Kaprepublik anderen
Gastgeberländern sportlicher Großereignisse nicht nach: Sogar größer
und schöner als in Deutschland seien die Stadien für die
Fußballweltmeisterschaft geworden, schrieb jüngst die Süddeutsche
Zeitung. Allerdings gibt es da eine kleine Nuance. Deutschland
kümmerte sich ganz allein um seine Stadien, Südafrika tut das mit
deutscher Hilfe. Das Lob der SZ für den Liebling auf dem
afrikanischen Kontinent ist, schaut man genau hin, Selbstbestätigung
der eigenen architektonischen Leistung. Auch unter erschwerten
Bedingungen wie in Südafrika sind deutsche Architekturbüros in der
Lage, Meisterwerke zu erbauen.
Einige der Glanzobjekte liegen nur einen Steinwurf
weit entfernt von dem Teil Südafrikas, den es deswegen gibt, weil es
die Apartheid gab. Die Townships entlang der Zufahrtsstraßen gehören
zu den Orten, von denen Superlative anderer Art zu berichten sind:
abgestellte Wasserhähne und Stromleitungen, zerstörte Hütten,
polizeiliche Willkür. In diesem Südafrika ist für die große Mehrheit
der BewohnerInnen so ziemlich alles prekär: Wohnen, Gesundheit,
soziale Sicherheit – und für viele Zugezogene aus den angrenzenden
Ländern zudem der Aufenthaltsstatus. Die Zusammenhänge dieser
Parallelwelten bleiben in aller Regel für die BetrachterInnen
unsichtbar. Wenngleich die »(Non)-Whites Only«-Schilder fehlen, die
Grenzen aus dieser Zeit sind überall vorhanden, sozial wie räumlich.
Die gesellschaftliche Modernisierung der Kaprepublik
spielt sich dennoch nicht in den Stadien ab. Tatsächlich sind es die
Townships, aus denen heraus erkämpft wird, was sich die Menschen vom
Ende der Apartheid versprochen hatten: Keine Diskriminierung,
gleiche Rechte, demokratische Verfahren, legale Rechtssprechung und
am Ende ein gutes Leben. So wurde letzen Oktober nach einer langen
Reise durch die gerichtlichen Instanzen ein Paragraf des Slum Acts
vom südafrikanischen Verfassungsgericht als ungültig erklärt. Die
Klage hatte Abahlali baseMjondolo, die Shackdwellers’ Bewegung aus
Durban, eingereicht. Es geht um Paragraph 16, demgemäß die
Stadtverwaltungen »verpflichtet« waren, so genannte illegale
Siedlungen gewaltsam zu räumen, wenn die Landbesitzer dies nicht
selber erledigten. Auch die private Kontrolle über die Versorgung
mit Strom und Wasser wird inzwischen am Obersten Gericht verhandelt.
Die Gerichtsmühlen mahlen allerdings langsam und sind teuer.
Im Gegensatz zur Trägheit gerichtlicher Verfahren steht die kurz
entschlossene Einsatzbereitschaft von Polizei und Militär, die erst
kürzlich 112 Personen in Gauteng festnahmen, teilweise wegen
Vergehen wie Trunkenheit beim Spazierengehen.
Die Fußball-WM wird in Europa Anlass dafür sein, über
Südafrika 15 Jahre nach der Apartheid erneut Bilanz zu ziehen. Dabei
ist die Zeit zwischen damals und heute für die vielen
SüdafrikanerInnen, die seither ununterbrochen und mitten in den
täglichen Kämpfen für den Abbau der Ungleichheit leben, von
unerfreulichen Kontinuitäten gezeichnet. Statt in post-aparter
Manier Bilanz zu ziehen, möchte unser Dossier ein paar Baustellen
aufzeigen, die sie fertig gestellt oder auch noch vor sich liegen
haben.
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