Zur Frage der Sicherheit in
Südafrika anlässlich der Fußball-WM 2010
Die nächste Fußballweltmeisterschaft soll
2010 in Südafrika stattfinden. So wurde 2006 beschlossen. Schon im
vergangenen Jahr tauchten Bedenken auf, ob Südafrika bis dahin die nötigen
Stadien fertig stellen, die Infrastruktur – Verkehr, Unterkünfte –
entsprechend ausbauen und die Sicherheit in den Griff bekommen würde. Nicht
zuletzt FIFA-Präsident Blatter hatte hier immer wieder mit kryptischen
Aussagen für Unruhe gesorgt. Fest steht jedoch: Eine Verlegung in ein
anderes Land wäre ein Desaster, eine eklatante Verletzung des Stolzes nicht
nur Südafrikas, sondern des Kontinents. Die Folgen wären nicht auszumalen.
Im Juni und
Juli 2010 wird in Südafrika die Fußballweltmeisterschaft ausgetragen. 64
Spiele sollen in zehn Stadien von neun Städten ausgetragen werden. Es werden
etwa 450.000 Zuschauer aus dem Ausland erwartet, 3,3 Millionen Karten sollen
verkauft werden. Der Gastgeber Südafrika muss für die Spiele einen hohen
Sicherheitsstandard garantieren – für die Mannschaften, die Zuschauer, deren
Eigentum. Gleichzeitig dürfen in dieser Zeit die „normalen“ polizeilichen
Aufgaben nicht vernachlässigt werden.
Die Medien
haben wiederholt infrage gestellt, ob Südafrika bis 2010 überhaupt in der
Lag sein kann, ein solches Ereignis zu schultern. Neben den Problemen von
Infrastruktur und Verkehr beziehen sich die Bedenken vornehmlich auf die
Sicherheit, da in Südafrika Kriminalität und Schwerverbrechen so verbreitet
sind, dass Zweifel laut werden, ob die Polizei die Lage in den Griff
bekommen kann.
Die Kriminalitätsstatistik
Die
Kriminalitätssituation in Südafrika ist ernst. Sie dominiert die Tageordnung
von Regierung, Zivilgesellschaft und Medienberichten. Befürchtungen sind
berechtigt, dass Verbrechen in Verbindung mit Gewalt zunehmen. Das hat zur
Folge, dass die Furcht vor Verbrechen steigt und das Vertrauen in Polizei
und Regierung sinkt, die Kriminalität in den Griff zu bekommen. So zeigt
eine Opfererhebung des Institute for Security Studies von 2003, dass
58 Prozent der Befragten Angst haben, nach der Dunkelheit allein auf die
Straße zu gehen. In der Erhebung von 1998 waren es nur 25 Prozent.
Tabelle 1 gibt
einen Überblick über schwere und Gewaltverbrechen, welche die größte Sorge
bereiten. Tabelle 2 zeigt die Entwicklung beim hijacking von
Fahrzeugen und Raubüberfällen auf Überlandstraßen. Da es letztere
Statistiken erst seit 2000/01 gibt, deckt die Tabelle 2 nicht den gleichen
Zeitraum ab wie Tabelle 1. Bei den Raubüberfällen auf Überlandstraßen wird
wegen der geringen Zahl auf das Verhältnis zu 100.000 Fahrzeugen verzichtet.
Tabelle 1
Schwere und Gewaltverbrechen auf
100.000 Einwohner
1994/95
1999/2000
2005/06
Mord
66,9
52,5
39,5
Versuchter Mord
69,1
65,4
43,9
Vergewaltigung
115,3
122,8
117,1
Bewaffneter Raub
218,5
229,5
255,3
Raub ohne Waffen
84,2
173,5
159,4
Tabelle 2
Car hijacking
und Raub auf Überlandstraßen
2001/
2002
2002/
2003
2003/
2004
2004/
2005
2005/
2006
Hijackking
auf 100.000
35,4
32,3
29,7
26,7
27,4
Raub absolute Zahlen
238
374
192
220
383
Der
Jahresbericht der südafrikanischen Polizei 2005/06 zeichnet einen positiven
Trend gegenüber den Zahlen von 2004/05. die Zahl der schweren und
Gewaltverbrechen hat sich danach verringert:
Mord -2,0 %
Versuchter
Mord -16,6 %
Vergewaltigung -1,0 %
Raub mit
Waffen -6,2 %
Raub ohne
Waffen -18,3 %
Auf der
anderen Seite aber hat das car hijacking, das noch im vorletzten
statistischen Zeitraum um 10,1 Prozent zurückgegangen war, nun um 2,6
Prozent zugenommen, der Raub auf Überlandstraßen gar um 74,1 Prozent und der
Raub in Einkaufspassagen (nicht in den Tabellen aufgeführt) um 32 Prozent.
So erfreulich
die Rückgänge in den ersten Rubriken sind, es darf nicht vergessen werden,
dass sie von einem hohen Stand aus erfolgt sind. Es wird noch eine geraume
Zeit brauchen, bis sie auf ein solches Niveau geschrumpft sind, dass sie ein
positives öffentliches Sicherheitsgefühl vermitteln können. Die Mordrate ist
zwar von 1994/95 von 66,9 Prozent auf 39,5 Prozent 2005/06 gesunken; sie ist
aber immer noch achtmal so hoch wie der Weltdurchschnitt und liegt
zwanzigmal höher als die Mordrate in Großbritannien. Mit anderen Worten:
Wenn der positive Trend anhält, braucht es noch 15 Jahre, bis der
Weltdurchschnitt erreicht ist. Bezieht man die Zahlen nur auf Südafrika,
dann bedeuten die 18.528 Morde in einem Jahr 50 Morde pro Tag.
Die
Vergewaltigung ist in den letzten elf Jahren praktisch auf dem gleichen
Stand geblieben. Eine Rate von 66,9 Prozent auf 100.000 heißt 150
Vergewaltigungen von Frauen täglich. Das ist alarmierend, vor allem wenn man
berücksichtigt, dass nach unabhängigen Untersuchen zwischen 33 und 66
Prozent der Fälle nie aktenkundig werden. Es ist ein Verbrechen, das
überwiegend hinter verschlossenen Türen begangen wird. Forschungen belegen,
dass 75 Prozent der Täter und Opfer sich kennen.
Raub und die
Gewalttätigkeit, die damit oft einhergeht, haben jedoch den stärksten
psychologischen Einfluss auf die Durchschnittsperson. Ob Einbruch in die
Wohnung, hijacking oder Diebstahl an bestimmten öffentlichen Orten
wie Ladenzeilen, Restaurants oder Veranstaltungen, unbestritten ist, dass
die Menschen am meisten Angst vor Raub und Diebstahl haben. Wenn hier die
Situation sich nicht verändert oder – schlimmer noch – weiter
verschlechtert, werden sich Angstpsychosen verfestigen und zunehmen, die
wiederum irrationale und selbst gesetzeswidrige Reaktionen bei bestimmten
Gruppen und Personen auslösen können.
Anders als bei
Mord und versuchtem Mord zeigen Raub und Diebstahl einen anderen Trend. Die
Mordrate ist in den letzten elf Jahren um 40 Prozent zurückgegangen. Die
Rate bei gewalttätigem Raub stieg jedoch um 218,5 im Jahr 1994/95 auf 288,1
im Jahr 2003/04, um dann auf 255,3 im Jahr 2005/06 zurückzugehen. Diese Zahl
liegt immer noch um 17 Prozent über der von 1994/95. Die Quote bei
unbewaffnetem Raub und Diebstahl nahm von 1994/95 bis 2003/04 von 84,2 auf
223,4 rapide zu und ging dann 2005/06 auf 159,4 zurück. Das heißt aber immer
noch, dass die Zahl um 90 Prozent über der von vor elf Jahren liegt.
Raub und
Diebstahl – ob gewalttätig oder nicht – sind die Verbrechen, die vor allem
Besucher und Zuschauer der Fußballweltmeisterschaft 2010 bedrohen. Um die
Fähigkeit der Polizei, dieses Problem in den Griff zu bekommen,
einzuschätzen, sollen kurz die Erfahrungen mit Großereignissen in Südafrika
nach der Apartheid dargestellt werden.
Erfahrungen mit Großereignissen
Seit Südafrika ein demokratischer Staat
geworden ist, hat es eine ganze Reihe von Großereignissen gegeben: 1995 die
Rugby-Weltmeisterschaft, 1999 die All Africa Games, 2003 der
Kricket-Weltpokal, dazu internationale Konferenzen wie der Weltgipfel über
nachhaltige Entwicklung und die Weltkonferenz über Rassismus. In dieser Zeit
hat die Polizei effektive Sicherheitskonzepte entwickelt. Es hat keine
ernsthaften Zwischenfälle gegeben. Nach Angaben des stellvertretenden
National Commissioner der Polizei, André Pruis, haben diese Konzepte
nach dem Entwicklungsgipfel die Anerkennung der Vereinten Nationen gefunden
und wurden für alle künftigen Konferenzen der Vereinten Nationen empfohlen.
Ein kurzer
Vergleich zwischen der Fußballweltmeisterschaft (FWM) und dem
Kricket-Weltpokal (KWP) zeigt, welche Dimensionen auf die Sicherheitskräfte
zukommen. Die FWM wird einen Monat dauern; 64 Spiele werden absolviert. Der
KWP dauerte 44 Tage, es gab 33 Spiele. Das KWP-Turnier wurde in sieben
Provinzen ausgetragen, das Fußballturnier wird in allen neun Provinzen
ausgetragen. Das Sicherheitsbudget des KWP betrug knapp 91 Mio. Rand, für
die Fußballweltmeisterschaft werden 36 Mio. US$ - das entspricht etwa 250
Mio. Rand – veranschlagt.
Beim
Kricketpokal wurden 4.600 Kräfte von Polizei, Armee, Metropolitan-Polizei,
verschiedenen Notfalldiensten und privaten Sicherheitsfirmen eingesetzt. Da
die Dauer der Veranstaltung kaum einen Einfluss auf den Umfang der
Sicherheitskräfte hat, dürfte ihre Stärke in erster Linie von der größeren
Anzahl der Spiele und der Austragung in allen neun Provinzen bestimmt
werden, ebenso von der größeren Zahl der Zuschauer, die für die Spiele
erwartet werden. Zur Zeit wird mit einer doppelten Zahl von
Sicherheitskräften gegenüber dem Kricketpokal gerechnet, also mit etwa
10.000 Einsatzkräften.
Sicherheitsplanungen für 2010
Auf einem Seminar des Institute for
Security Studies „Durchführung der Fußballweltmeisterschaft 2010: Sind
wir gerüstet?“ im September 2006 wurde der südafrikanischen Polizei die
Gelegenheit geboten, Befürchtungen zu zerstreuen, die Weltmeisterschaft
könne wegen der Kriminalität aus dem Ruder laufen und Südafrika sei nicht
darauf vorbereitet, eine angemessene Sicherheit zu gewährleisten. Der
Assistant Commissioner Mathongwane gab für die Polizei einen Überblick
über die Sicherheitspläne für die Weltmeisterschaft, vermied allerdings
sorgfältig Details, die die Sicherheitsmaßnahmen gefährden könnten.
Danach baut die
Sicherheit auf folgenden Säulen auf:
Integrierte operationale Koordinierung
Ganz entscheidend ist es, die Koordinierung
der verschiedenen Kräfte zu planen und umzusetzen. Die Polizei wird hierbei
die führende Rolle in der so genannten Joints (Joint Operational
and Intelligence Structure) spielen, die dem Ministerium untestellt ist.
Joints hat ein operationales Planungskomitee eingerichtet. Darin sind alle
Verantwortlichen von Sport über Umwelt und Tourismus bis zum
südafrikanischen Fußballverband und der FIFA vertreten.
Integrierte Sicherheitsstrategie
Diese Strategie befasst sich detailliert mit
der Sicherheit für die Stadien, Treffpunkte, öffentliche Schauplätze,
Medienzentren, wichtige Hotels, öffentlichen Transport, Flug- und Seehäfen,
Hauptverkehrswege und beliebte Touristenattraktionen. Sie sieht eine
integrierte Geheimdienstarbeit, Informationstechnologie und Kontrolle
unerwünschter Personen (z.B. Hooligans) zur Wahrung der öffentlichen Ordnung
und der Versorgung vor, ferner bestimmte Gerichte, Kontingents und
Notfallpläne.
Ausreichende Kräfte
Die Polizei will bis 2010 ausreichende und
zusätzliche Kräfte in Dienst stellen, sowohl für die Weltmeisterschaft wie
für den normalen Polizeidienst. Die Stärke der Polizei betrug 2001 121.000
Mann, 2006 war sie auf 156.000 gestiegen. Nach Angaben des polizeilichen
Jahresberichts ist das Ziel für 2008/09 eine Stärke von 179.000 Mann.
Sorgfältige Auslese
Sicherheitsfirmen etwa sollen erst nach
Zertifizierung einen Vertrag erhalten.
Training
Mitglieder der verschieden Dienste, auch der
Polizeireserve, die während der Spiel eingesetzt werden, sollen eine
spezielle Ausbildung und Vorbereitung erhalten.
Praxis
Andere Großereignisse vor 2010 sollen als
Praxistest genutzt werden, um frühzeitig notwendige Änderungen vorzunehmen.
Als Beispiel werden die Wahlen 2009 genannt.
Gute
Kommunikation mit den Medien
Bis zu den Spielen sollen Strukturen
aufgebaut werden, die eine gute Zusammenarbeit mit den Medien und
öffentliche Kommunikation garantieren. Die Medien sollen in
Sicherheitsfragen auf dem Laufenden gehalten werden, sie sollen aber auch
Sicherheitstipps verbreiten. Beim Kricketpokal 2003 waren solche Tipps im
Wettkampf-Führer verzeichnet.
Aus
Erfahrung lernen
In den vergangenen Jahren hat die Polizei
Beobachter zu Großveranstaltungen anderswo gesandt, um dort die
Sicherheitsvorkehrungen zu studieren. So haben Polizeivertreter die letzten
drei Olympiaden und andere sportliche Großereignisse wie die
Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland beobachtet. Nach Angaben von
Kommissar Mathongwane fanden folgende Vorkehrungen in Deutschland besondere
Beachtung:
Fan-Feiern:
In nicht genutzten Stadien und an anderen öffentlichen Plätzen wurden Spiele
übertragen. Hier soll der gleiche Sicherheitsstandard gelten wie in den
Austragungsstätten.
Ticketsystem.
Die Tickets werden nicht nur elektronisch kontrolliert, sondern auch
personalisiert. Das hat eine Reihe von Vorteilen: Die Verantwortlichen sind
stets über die Besucherzahl und ihren Ort informiert. Damit kann auch der
Verkauf auf dem Schwarzmarkt begrenzt werden.
Integrierter Sicherheitsplan.
Gewisse Aspekte des deutschen Sicherheitsplans waren nützlich für die
Aufstellung eines integrierten Sicherheitsplans in Südafrika.
Polizeiliche Arbeit und Sicherheit
Die Kriminalität in Südafrika gibt Anlass
zu Sorge und bringt auch die Regierung in Verlegenheit, um so mehr, als das
Turnier näher rückt. Es bleibt wenig Zeit, die Kriminalität unter Kontrolle
zu bringen. Es wird befürchtet, dass die hohe Kriminalität viele abhält, zu
den Spielen anzureisen, und es wird sogar spekuliert wird, dass die
Weltmeisterschaft in ein anderes Land verlegt wird. Deshalb hat die
Regierung in den letzten Monaten über neue Pläne in der
Verbrechensbekämpfung nachgedacht.
Auf einer
Pressekonferenz am 1. August 2006 gab Sicherheitsminister Charles Nqakula
Einzelheiten einer Verbrechensbekämpfungsstrategie der Regierung preis. Sie
bietet nichts grundsätzlich Neues, sondern nur zusätzliche Überlegungen zu
bestehenden National Crime Combating Strategy, die 2000 entwickelt
worden war und durchaus Erfolge vorweisen kann. Nach Angaben des Ministers
wurde das Centre for the Study of Violence and Reconciliation mit
einer Studie über die gewaltsame Natur der Verbrechen in Südafrika
beauftragt. Das ist ein begrüßenswerter Ansatz für ein besseres Verständnis
eines Phänomens, das effektiver angegangen werden muss.
Ferner machte
der Minister klar, dass die organisierte Kriminalität entschiedener
angegangen werden muss. Zu diesem Zweck sollen spezielle Einheiten zur
Bekämpfung von Syndikaten aufgestellt werden, andere Einheiten sollen
untergetauchten und bereits verurteilten Kriminellen nachgehen. Die
Geheimdienste sollen diese Einheiten unterstützen. Dafür sollen sie
finanziell und personell aufgestockt werden. Da vermutet wird, dass die
Weltmeisterschaft auch Kriminelle aus dem Ausland anziehen wird, sollen
striktere Grenzkontrollen durchgeführt werden. Dafür soll eine eigene
Behörde mit zusätzlichen Einheiten eingerichtet werden. Darüber hinaus soll
eng mit der privatwirtschaftlichen Initiative Business Against Crimes,
den Kommunen, auch religiösen Gruppen und anderen zusammengearbeitet werden.
Trotz allem
bleiben Bedenken. Nicht die Intentionen, die Praktikabilität wirft Zweifel
auf. Vorgeschlagen wird: Aufstockung der Personalstärke der Polizeistationen
und sichtbarere Polizeipräsenz sowie Besetzung von Brennpunkten mit hohen
Offizieren.
Bei
Diskussionen mit Polizisten schält sich ein wachsender Unmut über die
Umstrukturierung heraus. Der Grund dafür ist ihnen nicht klar, sie bemängeln
unzureichende Kommunikation und Beteiligung an der Umsetzung. Das dürfte
einen negativen Einfluss auf die Moral der Polizei haben. Daraus ergeben
sich folgende Fragen:
Ist es klug,
eine solch umfassende und bislang noch nie dagewesene Neustrukturierung so
kurz vor einem Ereignis durchzuführen, und das angesichts steigender
Kriminalität? Wäre es nicht realistischer, schrittweise über einen längeren
Zeitraum vorzugehen?
Kann man
gerechtfertigter Weise in der Polizeiführung davon ausgehen, dass hohe
Offiziere, die in vielen Fällen ihre Beförderung lediglich dem politischen
Wandel verdanken, die Führung problematischer Stationen verbessern werden?
Die
Polizeidichte von einem Polizisten auf 385 Einwohner kann sich im
internationalen Vergleich (300 – 400) sehen lassen. Die Dichte wird sich in
den nächsten drei Jahren erhöhen. Doch das Problem liegt nicht in der Zahl,
sondern in der Frage der Führung. Das wird auch von einer Erklärung des
Sicherheitsministers bestätigt, dass ausgeschiedene Polizeioffiziere
angesprochen werden sollen, ihre Erfahrungen und Fähigkeiten zur Verfügung
zu stellen. Gleichzeitig muss aber festgehalten werden, dass mehr Erfahrende
der Polizei den Rücken kehren als nachrücken. Es gibt eine geradezu
verzweifelte Suche nach alternativen Wegen, die gemachten Fehler
auszugleichen, ohne allerdings die Fehler einzugestehen.
Die Bedenken,
dass Südafrika für die Weltmeisterschaft keine adäquate Sicherheit
garantieren kann, sind berechtigt. Sie gründen sich vornehmlich auf zwei
Voraussetzungen: Zum einen gibt es eine allgemeine Übereinstimmung darüber,
dass das hohe Ausmaß an Kriminalität und die damit verbundene Gewalt zu der
negativen Wahrnehmung führt, ob Südafrika überhaupt für ein solches
Großereignis bereit ist. Es besteht die Gefahr, dass Fußballbegeisterte von
einer Anreise Abstand nehmen, während andere auf eine Verlegung spekulieren.
Zum anderen lassen die Auseinandersetzungen in der Polizei um eine
angemessene Strategie und Neustrukturierung zugunsten höherer Effizienz
befürchten, dass die Fähigkeit der Polizei, die Weltmeisterschaft 2010
adäquat zu sichern, mit ernstzunehmendem Misstrauen begleitet wird.
In Bezug auf
den ersten Einwand bedarf es zweifelsfrei einer erkennbareren Verpflichtung
und eines ausdrücklicheren politischen Willens seitens der Regierung, sich
des Kriminalitätsproblems anzunehmen. Dazu gehört ein ganzheitlicher und
umfassenderer Ansatz der Kriminalitätsbekämpfung, sowohl was die
Erscheinungsform betrifft, aber auch seiner ökonomischen und
sozialpolitischen Wurzeln. Ein außerministerieller Ausschuss wäre hier
wünschenswert.
In Bezug auf
den zweiten Einwand ist die Politik gefordert, die Neustrukturierung der
Polizei mit Fingerspitzengefühl und hohem Verantwortungsbewusstsein
anzugehen. Die Polizei hat sich in der Vergangenheit Großereignissen
durchaus gewachsen gezeigt. So etwa beim Kricketpokal 2003, als die
Kriminalität wesentlich höher lag als heute. Deshalb darf der bereits
laufende Umstrukturierungsprozess auf keinen Fall den erreichten Standard
der Polizei gefährden.
Der Autor ist
Mitarbeiter des südafrikanischen “Institute for Security Studies“.
Der Beitrag erschien zuerst im Crime Quaterly no. 19, 2007.
Quelle: afrika süd 04.2007
Wir
danken der issa
e.V. für die Veröffentlichungsgenehmigung auf unserer Website.