Fußball WM in Südafrika – Wer profitiert?
Nkosinathi Jikeka von der Organisation streetNet berichtet
von Dieter
Simon, KOSA
Von der WM in Südafrika sollen alle profitieren – so das Versprechen der
offiziellen Veranstalter. Aber die Realität sieht anders aus, wie Nkosinathi
Jikeka von der Organisation streetNet berichtet.
Auf Einladung der Koordination Südliches Afrika und des Aktionsbündnisses „kick-for-one-world“,
dem auch das Welthaus angehört, tourte der Gast aus Südafrika vom 15. – 23.
März durch Deutschland und war auch zu Besuch in Bielefeld.
Bereits im September 2008 forderte das Aktionsbündnis „kick-for-one-world“
in einem offenen Brief den FIFA Präsidenten Joseph Blatter auf, die lokale
Bevölkerung in Südafrika von den Verdienstmöglichkeiten nicht
auszuschließen. Insbesondere den Straßenhändlerinnen sollten angemessene
Verkaufsmöglichkeiten eingeräumt werden, damit diese von der
Weltmeisterschaft profitieren könnten. Trotz einer weiteren Aufforderung ist
die FIFA dem Aktionsbündnis eine Antwort schuldig geblieben.
Dabei stellt bei einer Arbeitslosigkeit von ca. 40% der informelle Sektor,
zu dem auch die Straßenhändler/-innen zählen, mit einem Anteil von ca.
10-20% an der gesamten Wirtschaftsleistung einen äußerst wichtigen
Wirtschaftsfaktor dar. Man schätzt, dass in Südafrika ca. 2 Millionen
Menschen in diesem Sektor tätig sind und damit bis zu 5 Millionen Menschen
das alltägliche Überleben sichern. Tendenz steigend.
„Straßenhändler/-innen sind ein zentraler Bestandteil südafrikanischer
(Fußball) Kultur. Während der Fußballspiele verkaufen sie einheimisches
Essen, Getränke und Fanartikel in und außerhalb der Stadien, auch während
internationaler Turniere. Bisher war das kein Problem“ so Nkosinathi Jikeka.
Die FIFA hat nun aber die Stadtverwaltungen der WM Austragungsorte
aufgefordert, sog. by-laws (städtische Verordnungen) zu erlassen. Sie gelten
für drei Monate und regeln unter anderem die Verkaufsmöglichkeiten der
Straßenhändlerinnen. In den meisten Austragungsstätten wird ihnen der Zugang
in die Stadien und innerhalb einer Ausschlusszone von 800m um das Stadion
herum untersagt. Hier können nur Händler/-innen hin, die entweder Lizenzen
von der FIFA beantragt haben oder die von den großen Firmen und Sponsoren im
Rahmen eines Franchise-Systems Rechte für den Verkauf erworben haben. Das
kann sich allerdings nur eine sehr sehr kleine Minderheit leisten. Gewinner
sind die FIFA, die bisher bereits mit der Vermarktung von Fernseh-, Werbe-
und Lizenzrechten ca. 3,2 Mrd. US$ eingenommen hat sowie MacDonalds und
CocaCola, die die Verkaufsrechte für Getränke und Essen in und um die
Stadien erworben haben. Den Südafrikanern wurde eine WM für alle
versprochen. Die Straßenhändler/-innen, der informelle Sektor, scheinen die
ersten Verlierer zu sein. Vielen wird das erst jetzt bewusst.
Und so organisiert sich Widerstand. StreetNet mobilisert Straßenhändler in
allen WM-Austragungsorten. Es werden Gespräche mit den Stadtverwaltungen
geführt, Demonstrationen organisiert. In Anbetracht der knappen Zeit sind
die Chancen auf eine Änderung der by-laws recht gering, aber es gibt
Überlegungen, eine eigene Kampagne zu starten. Touristen sollen aufgefordert
werden, bei Straßenhändlern zu kaufen, denn „die Gäste kommen schließlich
nach Südafrika, um Fußball und südafrikanische Kultur zu erleben. Da gehört
der Kauf einer Vuvuzela zur Unterstützung der Mannschaft und das Probieren
eines lokalen Gerichtes, serviert von einer Straßenhändlerin einfach dazu.
CocaCola und MacDonalds gibt es überall. Deswegen muss man nicht nach
Südafrika kommen“.