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Protestieren Sie gegen Zwangsumsiedlungen im Zuge der WM

bulletHintergrund (in Englisch): Update on Recent Developments in the Warwick Junction, Durban, South Africa: Thousands of Street Traders’ Livelihoods at Stake
bulletHintergrund (in Englisch): A strategic response from the faith-based community to the proposed Warwick Mall development, Durban, South Africa.
bullet zur Petition

 

WM 2010 – Die Bevölkerung muss Platz machen für neue Stadien

von Laura Blomenkemper

Der Baubeginn der Stadien und anderer Gebäude für die WM bedeutete für viele Einwohner Südafrikas vor allem eins: Den Verlust ihrer Existenz. Ein aktuelles Beispiel ist die Zerstörung des traditionellen Warwick Marktes in Durban, der bereits seit fast 100 Jahren besteht. An seine Stelle soll bald eine Shopping-Mall treten, die lediglich 150 der 647 Händler beherbergen kann, womit das Einkommen und die Existenz vieler Menschen gefährdet ist. Viele der Händler verkaufen ihre Produkte seit Jahrzehnten auf dem Warwick Markt und haben keine andere Erwerbsmöglichkeit1. Doch nicht nur traditionelle Märkte werden für ein besseres Stadtbild umgesiedelt oder zerstört, auch die vielen Armenviertel der Städte sollen für die Touristen unsichtbar bleiben.

Den Bewohnern der Armensiedlungen, die in unmittelbarer Umgebung der Stadien oder in anderen von den Touristen sichtbaren Gebieten liegen, wurde die Heimat durch Zwangsumsiedlung genommen. So konnten die Bauarbeiten problemlos fortgesetzt werden und die WM-Touristen müssen keinen Blick auf eine der vielen Siedlungen werfen. Schließlich geht es der südafrikanischen Regierung vor allem auch darum, der Welt ein positives Bild zu vermitteln und sie nicht mit den vielen, noch immer ungelösten Problemen des Landes zu konfrontieren. Den Bewohnern der Armensiedlungen wurden neu gebaute Häuser mit Elektrizitäts- und Wasseranschlüssen sowie sanitären Anlagen versprochen. Zwischenzeitlich werden sie in Transitcamps untergebracht. Die Camps bieten zwar zum Teil bessere Lebensbedingungen als die Armenviertel, haben jedoch weder genügend sanitäre Anlagen noch einen flächendeckenden Zugang zu sauberem Trinkwasser oder Elektrizität. Die Umsiedlung verschlimmert die Armut der Bewohner in vielerlei Hinsicht. Die oftmals überfüllten Transitcamps liegen weit von den zuvor bewohnten Siedlungen und somit auch von den Arbeitsstätten der meisten Bewohner entfernt. Das verursacht nicht nur zusätzliche Kosten für die Arbeiter, die nun einen größeren Anteil ihres Gehalts für Busse oder andere Transportmittel verwenden müssen, sondern auch für viele Familien mit Kindern, für die höhere Kosten auf Grund des längeren Schulwegs entstehen.

Die Gemeinschaften und sozialen Beziehungen werden durch die Umsiedlung zerstört, wo doch gerade sie überlebenswichtig für die meisten Bewohner sind2. Die Mieten der neuen Häuser, die zum Teil zeitnah erbaut werden, sind für die meisten unerschwinglich3. Für viele stehen jedoch auch gar keine neuen Häuser bereit. Das Geld reicht nicht aus, um alle Siedlungsbewohner in kürzester Zeit mit neuen Häusern zu versorgen. Die Wartelisten für die Häuser sind lang und dementsprechend lange dauert es, bis man tatsächlich ein Haus zugewiesen bekommt. Einige warten vergeblich, sodass das Transitcamp für einen Großteil eher zur neuen Heimat als zur Übergangslösung wird. Nur ein geringer Teil kann also überhaupt an seinen ehemaligen Wohnort zurückkehren.

Während es sich für die Regierung bei den Armensiedlungen um ein Imageproblem handelt, ist es für Tausende von Menschen ein zu Hause, in dem sie zwar zum Teil unter unhygienischen oder gar Menschen unwürdigen Bedingungen leben, aber immerhin ein Zuhause. Sie gehen hier einer Arbeit nach, haben viele soziale Beziehungen geknüpft und Leben in einer Gemeinschaft. Für diese Menschen bedeutet die Zwangsumsiedlung durch die Regierung, dass sie ihr Zuhause, ihre sozialen Bindungen und oftmals ihre Existenzgrundlage verlieren4. Angesichts dieser Tatsache liegt es Nahe, dass sich einige Südafrikaner die Frage stellen, ob es Sinn macht, 2,5 Milliarden € in neue Stadienbauten zu investieren an statt zunächst die gesamte Bevölkerung an ihren Wohnorten mit sauberem Trinkwasser, Elektrizität und sanitären Anlagen zu versorgen.

 

1 http://ipsnews.net/africa/nota.asp?idnews=46567

2 http://www.abahlali.org/node/5176

3  http://www.misereor.de/fileadmin/user_upload/pflege_allgemein/pflege_startseite/MR_Tag_S_dafrika.pdf

4 http://www.waronwant.org/attachments/South%20Africa%20appeal%20letter.pdf

 

 

   
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