WM 2010 – wer profitiert?
von Laura Blomenkemper
Vom 11. Juni bis zum 11. Juli wird die WM 2010
in Südafrika stattfinden. Insgesamt stellt die südafrikanische Regierung 2,5
Milliarden Euro zur Verfügung. Das Geld soll zu einem wirtschaftlichen
Aufschwung führen, von dem die gesamte südafrikanische Bevölkerung
profitieren soll. Doch für viele erfüllt sich dieser Anspruch nicht.
Während die Bauunternehmen von der Fülle an
Aufträgen profitieren, sieht es für die meisten Bauarbeiter/innen nicht ganz
so rosig aus. Sie müssen für einen Hungerlohn von umgerechnet 200 Euro im
Monat zum Teil bis zu 10 Stunden am Tag arbeiten. Zwar entspricht der Lohn
damit dem vorgeschriebenen südafrikanischen Mindestlohn, er reicht jedoch
keinesfalls zum Leben aus.1 Neben den niedrigen
Löhnen leiden sie gleichzeitig auch noch unter den schlechten
Arbeitsbedingungen, denen sie bei einigen Stadienbauten ausgesetzt sind.
Daher kam es seit dem Beginn der Bauten immer wieder zu Streiks. Zuletzt kam
es im Juli auf insgesamt 35 WM-Baustellen zum Stillstand, etwa 70.000
Bauarbeiter beteiligten sich an diesem Streik. Auch einige Stadienbaustellen
waren betroffen, was den geplanten Übergabetermin an die FIFA gefährdete.
Nach einer Woche konnten sich die Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände
jedoch auf eine Lohnerhöhung um 12% einigen und die Bauarbeiten konnten
fortgesetzt werden.2
Inzwischen werden auch Korruptionsvorwürfe
gegenüber der südafrikanischen Regierung geäußert. In einer Studie aus dem
Juli 2009 die von einer Kommission aus Vertretern des öffentlichen Dienstes
in Johannesburg vorgestellt wurde, galt Korruption als das Hauptproblem
hinsichtlich des Gelingens der WM.3 So bekamen
einige Bauunternehmen Aufträge zugeteilt, die ein Vielfaches mehr verlangten
als üblich und somit enorm überbezahlt wurden. Ndlovu, ein früheres
Ratsmitglied des ANC und Bekämpfer der Korruption, hat inzwischen den
Glauben an ein transparentes System verloren. Die Zeiten, an denen das
Handeln der ANC-geführten Regierung noch auf moralischen Grundsätzen
beruhte, seien endgültig vorbei.4
In einigen Monaten werden die WM-Touristen für
30 Tage einen Komfort und Sicherheit genießen, von dem ein Großteil der
südafrikanischen Bevölkerung nur träumen kann. Die meisten von ihnen werden
nicht einmal die Gelegenheit haben die WM aktiv mitzuerleben, da sie durch
die hohen Ticketpreise gar keine Chance haben überhaupt ein Spiel live zu
verfolgen. Positiv zu werten ist die Tatsache, dass die WM in einer Vielzahl
von Branchen neue Arbeitsplätze geschaffen hat. Allerdings ist die Bezahlung
der Arbeitskräfte in der Hotelbranche - genau wie in anderen Bereichen -
leider oftmals genauso schlecht wie die der Bauarbeiter. Zudem bleibt offen,
wie viele dieser Arbeitsplätze auch noch nach der WM noch erhalten bleiben
oder ob diese nicht gleichzeitig mit den WM Touristen wieder verschwinden.