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22.04.2015

Licht an, Licht aus.

Der tägliche Frust mit der Elektrizität in Südafrika.

Foto: Martina Schwikowski, April 2015

Johannesburg. Im Kerzenlicht Abendessen gehört in Südafrika zum Alltag. Den Computer nicht nutzen zu können auch. Geschäfte machen ohne Elektrizität keinen Umsatz und die Küche bleibt kalt. Alarmanlagen funktionieren nicht oder – wer es sich leisten kann – schafft mit Generatoren Abhilfe. Südafrikas Stromkrise währt schon lange und es wird auch noch in den nächsten fünf Jahren zu bestimmten Zeiten immer wieder das Licht ausgehen lassen. Allerdings eskaliert gerade die Lage, denn der kalte Winter hält Einzug und zusätzliches Heizen überfordert das Netz - der Strombedarf ist ohnehin nicht gedeckt.

Die wirtschaftlichen Schäden für Industriebetriebe sind enorm. Der Verbraucher ist verärgert über das Versagen des staatlichen Stromversorgers Eskom, der seit zwanzig Jahren die Erneuerung des veralteten Netzes verspricht. Das geschieht, wenn der Strom stundenlang ausgeschaltet wird. Manchmal ohne Vorankündigung,   wenn zusätzlich noch technische Anlagen ausfallen.

Der Stromverbrauch ist in den vergangenen Jahrzehnten drastisch gestiegen. Der Fokus für eine Lösung liegt häufig auf Medupi, Afrikas größtes Kohlekraftwerk in Südafrikas Nordosten. Die erste Einheit des weltweit größten trocken-gekühlten Kohlekraftwerkes soll im Juni mit viel Verspätung ans Netz gehen. Medupi ist – wie sein geplantes Zwillingswerk Kusile - umstritten und steht seit Baubeginn in der Kritik: Südafrikas Regierungspartei ANC besitze 25 Prozent der Anteile und das Regierungsinteresse liege im Profit von Medupi begründet statt schneller erneuerbare Energien voranzutreiben, sagt Doyle, Mitarbeiterin der lokalen Umweltorganisation „Earthlife Africa.“ Beide Werke sind von der Weltbank mitfinanziert worden und sollen je 4800 Megawatt und damit 25 Prozent der Stromerzeugung liefern.

Verbraucher sind sauer auf Eskom, denn dort liege das Problem: Der Stromgigant verpasste es regelmäßig, die veralteten Stationen ausreichend zu reparieren und für eine stabile Stromversorgung zu rüsten. Doch selbst dafür steht laut Eskom viel zu wenig Strom zur Verfügung. Die Regierung hatte bereits 2010 die „Lasst-die-Lichter-an-Strategie“ adopiert. „Damit die Partei bei den Wahlen ihre Stimmen erhält“, sagt Doyle. Somit fehlt dem regierungseigenen Stromversorger die Kapazität, Reparaturen der oft über 30 Jahre alten Werke vorzunehmen.

Es mangele auch an technischen Experten, die Anlagen nach der Reparatur rechtzeitig wieder ans Netz zu bringen, sagt Energie-Analyst Chris Yelland. International gesehen sei es Standard, 90 Prozent Stromkapazitäten nutzen zu können, mit zehn Prozent Verlust für geplante oder auch ungeplante Abschaltungen des Netzes. In Südafrika ging diese Kurve jedoch stetig bergab: 2010 waren nur 85 Prozent Strom vorhanden für die Versorgung, derzeit sind es sogar nur 75 Prozent. Eskom erklärte, bis 2018 sollen wieder 85 Prozent Strom einsatzbereit sein.

Eskoms Aufrufe an die Verbraucher, Strom zu sparen, ist mit starken Stromerhöhungen gekoppelt, während große Firmen ein noch aus Apartheidzeiten stammendes, günstiges Preismodell nutzen können. Dazu kommt, dass Eskoms Bosse jährlich ihre satten Prämien einfahren. Das Unternehmen zeigt häufig mit dem Finger auf die nicht-zahlenden Stromverbraucher, die in den armen Township-Siedlungen durch illegale Stromverbindungen „Strom klauen.“ Die finanziellen Schäden seien enorm, behauptet Eskom.

„Südafrika hat immer noch die Möglichkeit, eine Wandel im Energiesektor zu vollbringen“, sagt Dominique Doyle. Aber es fehle an politischem Willen. Die Nutzung erneuerbarer Energien – Südafrika hat genug Sonne und Wind – sollen bis zum Jahr 2030 auf neun Prozent ansteigen. „Aber bei nur 42 Prozent der Energieinvestitionen“, sagt Bobby Peek, Direktor der Umweltorganisation „Groundwork“. „Da sitzt auf jeden Fall viel mehr drin.“

Für den geplanten Ausbau der Erzeugungskapazitäten will Südafrika zwar künftig verstärkt auf private Produzenten setzen. Die Liberalisierung des südafrikanischen Strommarktes befindet sich allerdings noch in der Entwicklung. Eskom nutzt 90 Prozent der weitflächigen Kohlevorkommen in Südafrika für die Stromerzeugung und fungiert bislang als Erzeuger sowie als Systembetreiber. Zudem hat das Unternehmen die Verantwortung für das Übertragungs- sowie Teile des Distributionsnetzes. Die Zahl privater Stromerzeuger, die einen Abnahmevertrag mit der marktbeherrschenden Firma Eskom oder den größtenteils für das Verteilungsnetz zuständigen Kommunen geschlossen hat, ist noch gering.

KOSA

Die Koordination Südliches Afrika (KOSA) e.V. ist ein bundesweit tätiges Netzwerk, das thematisch hauptsächlich zu Südafrika arbeitet. Derzeitiger Arbeitsschwerpunkt ist die Initiierung und Unterstützung von Schulpartnerschaften zwischen Deutschland und dem südlichen Afrika sowie die entwicklungs-politische Bildungsarbeit mit jungen Menschen.

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